Wie realistisch sind Fantasien, die man landauf, landab über PR-Agenten liest? Lassen sich Kommunikationsabteilungen und Agenturen automatisieren? Teilweise ja. Aber übrig bleibt nicht weniger Arbeit, sondern eine andere: Entscheidung, Einordnung und Verantwortung.

Montagmorgen um 9 Uhr in der Agentur. Mitarbeitergespräch. Ich habe mir einen Kaffee geholt, die Tür geschlossen, den Kalender geblockt. Der erste Termin beginnt pünktlich. Eddi sitzt mir gegenüber. Ich öffne das Dashboard. 126 Entwürfe hat er in vier Wochen geschrieben, 18 wurden direkt verwendet, andere waren brauchbar, viele habe ich verworfen. Er ist zu vorsichtig, denke ich, zu glatt, manchmal erstaunlich präzise – aber an der falschen Stelle.
Ich schaue kurz in seine Personalakte und finde die Zielvereinbarungen vom letzten Mal. „Mensch Eddi, Du bist ja schneller geworden“. Ich versuche motivierend zu sein. Die Antwort kommt prompt, in Zahlen. Verbesserte Antwortzeit, höhere Konsistenz. Ich verschiebe Parameter, justiere die Tonalität, erhöhe die Eskalationsschwelle. Kein Widerspruch, keine Diskussion. Nur ein System, das sich anpasst. Ich speichere. „Gut“, sage ich. „Eddi, wir sehen uns in sechs Monaten wieder.“
Schöne neue Agentenwelt
Eddi ist unser Redaktionsagent. Die Szene ist fiktiv. Noch. Aber sie beschreibt, was gerade beginnt. Kommunikation wird nicht mehr nur produziert, sie wird in Workflows zerlegt, verteilt und teilweise von Agenten übernommen.
In anderen Branchen ist diese Entwicklung längst Realität. Banken wie JPMorgan lassen Systeme komplexe Verträge analysieren, die früher tausende Arbeitsstunden banden. In der Cybersecurity erkennen und stoppen Agenten Angriffe in Echtzeit, oft ohne menschliches Eingreifen. Beim Zahlungsanbieter Klarna beantworten KI-Agenten den Großteil der Kundenanfragen. Hier schlägt das Pendel allerdings schon zurück: KI-Agenten sollen wieder verstärkt durch Mitarbeitende ergänzt werden.
KI-vernetztes Arbeiten sucht ihr Maß. Die Richtung ist klar: Wo Prozesse strukturiert sind, große Datenmengen vorliegen und Ergebnisse klar messbar sind, können KI-Agenten operative Arbeit übernehmen – und zwar eigenständig.
KI als Betriebssystem
Das gilt auch für Agenturen und Kommunikationsabteilungen. […]

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