In den Trendstudien des milliardenschweren Influencer-Markts sind sie ein Dauerbrenner: KI-Influencer. Die Revolution der Large Language Models (LLM) eröffnet auch auf diesem Feld der synthetischen Medien völlig neue technische Möglichkeiten. Welches Potenzial haben KI-Personas und Avatare für die PR?

Es ist eine Geschichte, an die Finanzminister Christian Lindner nicht mehr gern erinnert wird. Nur ein gutes Jahr dauert sein Versuch als Start-up-Unternehmer. Um das Jahr 2000 beginnt sein Team, Maschinen zum Sprechen zu bringen. Das Ziel: sogenannte Avatare im industriellen Maßstab auf den Markt zu bringen. Die künstlichen Charaktere sollen Marketing und Kommunikation revolutionieren.
Damals klang das noch spektakulär, erschien aber technisch denkbar. Das Interesse war jedenfalls riesig. Die Deutsche Telekom hatte mit Robert T. Online gerade eine virtuelle Marketingfigur an den Start gebracht. Lindner hatte ein durchaus lesenswertes Fachbuch zum Thema veröffentlicht und jede Menge Start-up-Kapital eingesammelt. Doch die Dot.com-Krise bereitete der frühen Avatar-Blüte ein jähes Ende. Der Markt brach weg, bevor er sich entfalten konnte. Die Zeit war noch nicht reif für Avatare.
Heute, ein Vierteljahrhundert später, sieht das anders aus. Virtuelle Wesen sieht man überall. So betritt im Jahr 2016 Miquela Sousa die digitale Bühne. Das virtuelle Wesen gehört zu den ersten KI-Influencern –und sorgt von Anfang an für Furore.
Die angeblich 19-jährige Halbbrasilianerin postet auf Instagram Fotos und Geschichten aus ihrem Leben. Mit wachsender Popularität präsentiert sie Mode, erscheint in Modemagazinen, gibt Interviews, zeigt sich mit Prominenten und wird schließlich auch als Sängerin erfolgreich. Geschaffen wurde Lil Miquela von dem Technologie-Start-up Brud aus Los Angeles.
Virtuelle Influencer lassen die Grenzen zwischen Realität und virtueller Darstellung verschwimmen. Die rasante Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz in jüngster Zeit hat dieses Terrain noch deutlich erweitert. Sie verleiht virtuellen Charakteren eine nie dagewesene Lebendigkeit und die Fähigkeit zu anspruchsvoller Interaktion mit dem Publikum vor dem Bildschirm. Was bedeutet das für uns Kommunikatoren?
Komplett KI-generiert: Die virtuelle Influencerin Ava Synthia hat Markus Goeddertz von der Agentur K12 entwickelt. Er erstellte dafür mittels Leonardo ai eine Synthese ungezählter echter Influencerinnen – unter Nutzung ihrer Instagram Porträts. So entstand eine stereotype Figur, die er durch geschicktes Prompten in verschiedene Produktmarketingwelten integrierte. […]

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe April 2024.
