Beim Verband der Automobilindustrie stand er im Dauerfeuer der Presse, jetzt kämpft er um Aufmerksamkeit: Janis Eitner ist seit Januar Kommunikationschef beim Genossenschaftsverband Bayern (GVB) – einer Organisation, die kaum jemand kennt. Er will den GVB aus der Unsichtbarkeit holen und als Stimme des Mittelstands positionieren. Das Problem beginnt schon bei den eigenen Mitgliedern: Viele wissen nicht einmal, was der Verband ihnen bietet.

Wer sich in der Medienbranche nach der Arbeit von Janis Eitner und seinem neuen Arbeitgeber erkundigt, findet erst mal niemanden, der die Organisation überhaupt kennt: den Genossenschaftsverband Bayern (GVB). Bei Google News tauchen hauptsächlich GVB-Pressemitteilungen auf, dazu hier und da eine Meldung von FinanzBusiness, die aus einer dieser Mitteilungen zitiert. Und dann gibt es ein paar alte Berichte zur BayWa-Krise, in denen der frühere GVB-Präsident Gregor Scheller zu Wort kommt. Alles andere ist mindestens zwei Jahre alt.
Hat Janis Eitner also den langweiligsten Job der Welt? Nein. Zwar rufen tatsächlich kaum Journalisten bei ihm an, aber die Medien sind für den GVB auch nicht die wichtigsten Stakeholder. Eitner kommuniziert vorrangig in Richtung Mitglieder. Er ist Bereichsleiter Mitgliederentwicklung und Kommunikation – in genau dieser Reihenfolge.
Der GVB ist ein unabhängiger Prüfungs- und Interessensverband, ähnlich den Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, und hat rund 1.200 Mitglieder. Ein Viertel stammt aus dem Bereich Energie, gefolgt von Landwirten und der Milchwirtschaft sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Die Bandbreite ist groß. Schließlich beschreibt der Begriff „Genossenschaft“ in erster Linie eine Rechtsform – so wie GmbH, KG oder AG.
Genossenschaften oder auch „Kooperativen“ sind demokratisch geprägte Zusammenschlüsse von Menschen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen – ähnlich wie Unternehmen. Wie vielfältig dieses Netzwerk ist und was der Verband genau macht, wusste auch Eitner nicht, bevor eine Headhunterin ihn anrief. „Als das Telefon klingelte, war ich noch beim Verband der Automobilindustrie“, erzählt er.
Lediglich neun Monate, von März bis November 2024, war Eitner beim VDA als Head of Communications and Marketing beschäftigt. Der Job hatte sich nach seinen Worten anders entwickelt als erwartet. Eigentlich war vereinbart, dass er von München aus arbeiten kann, obwohl der Verband in Berlin sitzt. Dann habe es plötzlich geheißen: Alle müssten 80 Prozent der Zeit im Büro sein. Ein No-Go für den zweifachen Vater, der gerade seinen 48. Geburtstag gefeiert hat.
Nach dem Anruf der Headhunterin begann er, sich in das neue Thema einzulesen. Er war überrascht zu erfahren, dass sich alle Genossenschaften einem von vier Verbänden anschließen müssen. Das schreibt das Genossenschaftsgesetz vor. Es gibt je einen Verband in der Region Hessen, Norddeutschland, Baden-Württemberg und eben den GVB für Bayern.
Die zwei süddeutschen Organisationen begrenzen ihre Arbeit auf ihr jeweiliges Bundesland, die anderen sind freier organisiert. Bayrische Genossenschaften gehören automatisch zum GVB. Dieser ist wiederum den Volks- und Raiffeisenbanken angeschlossen – erkennbar am Logo: dem Volksbank-V und dem Giebelkreuz in Form zweier Pferdeköpfe.
Auch im Verbandsgebäude in der Münchner Innenstadt spiegelt sich diese Verbindung wider. In einem langen Flur hängen Plakate aus verschiedenen Werbekampagnen der Banken. Der wohl bekannteste Slogan – „Wir machen den Weg frei“ – stammt, genau wie die Plakate, vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, dem Dach aller Regionalverbände. Ähnlich komplexe Strukturen kennt Eitner aus seiner Zeit bei der Fraunhofer-Gesellschaft, wo er ab Anfang der Nullerjahre tätig war. „Ich schätze diese Komplexität, weil sie viel Gestaltungsraum eröffnet“, sagt er.
Mit Genossenschaften hatte er vorher nur indirekte Berührungspunkte: „Ich habe in einer Genossenschaftswohnung gelebt, bekomme von einer landwirtschaftlichen Genossenschaft wöchentlich eine Gemüsekiste und bin Kunde einer genossenschaftlichen Bank. Aber ich war immer nur passiv dabei, nie aktiv.“ Der GVB reizte ihn: […]

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe April 2025.
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