Familienunternehmen gelten traditionell als eher verschwiegen. Nicht so Miele. Dort gilt die Devise: Gerade wenn es wehtut, hilft es, ein bisschen mehr zu erklären. Das haben sich Kommunikationschef Martin Wielgus und Geschäftsführerin Rebecca Steinhage für die Zeit des Stellenabbaus vorgenommen. Um Produkte geht es natürlich auch immer.

indem man Klarheit schafft“: Martin Wielgus im gemeinsamen prmagazin-Gespräch mit Geschäftsführerin Rebecca Steinhage über Lehren aus Umbauprogrammen und Stellenstreichungen. (Foto: prmagazin/Dennis Neuschaefer-Rube)
Als Martin Wielgus vor zweieinhalb Jahren im Vorstellungsgespräch mit seiner künftigen Chefin saß, erkannte er schon die Anzeichen. Ihm war klar, dass sie einen Kommunikationschef suchte, der einen größeren Umbruch begleiten kann und auch nach innen wirken will. Zwei Tage später verkündete Miele den größten Stellenabbau seiner Geschichte: 2.700 Stellen, hieß es, könnten entfallen oder ins Ausland verlagert werden. Dass es so schnell ging, überraschte Wielgus dann aber doch. „Miele war damit eins der ersten Unternehmen und somit vor der Welle“, sagt er. Wenig später häuften sich die Medienberichte über Stellenstreichungen in der Wirtschaft. Vielfach war von einer Deindustrialisierung Deutschlands zu lesen.
Der Haushaltsgerätehersteller Miele ist für viele Menschen ein Symbol für Verlässlichkeit. Ein traditionsreiches Familienunternehmen, ein sicherer Arbeitgeber in Ostwestfalen, der Geschirrspüler und Waschmaschinen produziert, die treu ihren Dienst tun. Dass dieser Konzern plötzlich so viele Stellen abbauen oder verlagern wollte, passte nicht ins Bild. Die schlechte Nachricht überbrachten die sechs gleichberechtigten Geschäftsführer persönlich bei Townhalls in allen deutschen Werken.
Wielgus arbeitete damals noch beim Großmotorenhersteller Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen. Dort plante er ebenfalls die Kommunikation eines umfangreichen Umbauprogramms samt Stellenstreichungen. „Bei so einem Thema gibt es nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren“, sagt Wielgus, der seine Kommunikationskarriere als Pressesprecher der CDU Hamburg startete. „Aber man kann die Situation der Menschen verbessern, indem man Klarheit schafft. Auch wenn die Nachricht natürlich sehr bitter ist.“ Aus seiner Sicht starten die erfolgreichsten Kommunikatoren nicht mit Botschaften, sondern mit der Wirkungsanalyse. „Nicht: Was wollen wir sagen? Sondern: Was soll beim Gegenüber passieren?“
Der Stellenabbau bei Miele ist seit Ende 2025 offiziell abgeschlossen. Betriebsbedingte Kündigungen konnten nach Unternehmensangaben zumindest in Deutschland vermieden werden. „Das waren zwei sehr intensive Jahre“, bilanziert Wielgus, der den Prozess gut ein Jahr kommunikativ begleitete. „Aber die Transformation hört damit nicht einfach auf.“ Erst recht nicht in Zeiten, in denen sich die Wirtschaft ständig auf neue Rahmenbedingungen einstellen muss.
Wielgus betrachtet es als Daueraufgabe, laufend zu erklären, warum Miele welche neuen Schritte unternimmt. „Es ist unglaublich, wie viel wirksamer man ist, wenn man sich nur die Mühe macht, anderen das Handeln zu erklären“, sagt er. „Dann sind Menschen sogar häufig bereit, durch einen Schmerz zu gehen.“
Wielgus’ Chefin Rebecca Steinhage war bei diesem Prozess von Anfang an dabei. Seit Juli 2022 gehört sie der Geschäftsführung an und verantwortet das damals neu geschaffene Ressort Human Resources und Corporate Affairs, das auch die Kommunikation umfasst. In diesem Jahr ist noch der Bereich Professional hinzugekommen, der das Geschäft mit Geräten, Systemlösungen und Dienstleistungen für gewerbliche und medizinische Anwendungen bündelt. Zusammen mit dem Kommunikationsteam entwickelte sie über einen längeren Zeitraum einen Kommunikationsplan für den Stellenabbau.
Priorität hatten die Mitarbeitenden. Anschließend habe man sich die Frage gestellt: „Wie können wir den Prozess so erklären, dass er sowohl intern als auch für unsere Kunden, für die allgemeine Öffentlichkeit bis hin zur Presse nachvollziehbar ist?“, berichtet Steinhage. Sie wollte verständlich machen: „Was passiert draußen? Welchen Einfluss hat das auf uns?“
In der Pressemitteilung las sich das so: „Den weltweiten Einbruch der Nachfrage nach Hausgeräten sowie die drastischen Preissteigerungen auf der Kostenseite hat auch die Miele Gruppe zu spüren bekommen.“ Neben dem „Ende der coronabedingten Sonderkonjunktur“ hätten vor allem die wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekriegs zu einem deutlichen Umsatzrückgang geführt. Eine substanzielle Senkung der Personalkosten sei unausweichlich. Der Abbau solle so sozialverträglich wie möglich erfolgen. Nicht alle Medien reagierten verständnisvoll: […]

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