Damit müssen wir klarkommen

Die Deutsche Lufthansa feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Doch Streiks, Flugstreichungen und Konzernumbau durchkreuzen die Feierdramaturgie. Kommunikationschef Andreas Bartels erklärt, wie er Jubiläum und Krisen parallel managt.

Ein Mann in einem Anzug sitzt auf einer Treppe vor einem Flugzeug und lächelt.
„Wir dürfen nicht zulassen, dass Gräben aufreißen, die sich am Ende nicht mehr zuschütten lassen.“ – Andreas Bartels

prmagazin: Herr Bartels, welches Thema beschäftigt Sie gerade am meisten: die Flugstreichungen, der Konzernumbau – oder das Unternehmensjubiläum?

Andreas Bartels: Unser Jubiläum ist in diesem Jahr das mit Abstand größte Thema. Wir kommunizieren dazu von Januar bis Oktober, bei fast allen Gelegenheiten. In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Dramaturgie vorbereitet: Zum Jahresauftakt haben wir zurückgeblickt auf unsere Geschichte und auch ein Buch vorgelegt, in dem Historiker die Rolle der Lufthansa im Dritten Reich als Bestandteil des NS-Regimes neu aufarbeiten. Mitte April fand der Festakt in unserem neu eröffneten Besucher-Hangar statt, mit Festrede von Bundeskanzler Friedrich Merz. Im Sommer folgen die Mitarbeiterfeste in Frankfurt, München und Hamburg. Zum Abschluss schauen wir im Herbst in die Zukunft: Wie wird sich das Fliegen in den nächsten 100 Jahren entwickeln? Das Tagesgeschäft muss dabei reibungslos weiterlaufen, das versteht sich von selbst. Die Kunst besteht darin, alles gleichzeitig ordentlich hinzubekommen.

Vor zwei Wochen dominierten in der Berichterstattung über Lufthansa noch die Streiks in der aktuellen Tarifrunde. Ist das Ihrer Dramaturgie in die Quere gekommen?

Wir hätten gern darauf verzichtet. Aber es ist in Deutschland das gute Recht von Gewerkschaften, zum Streik aufzurufen, und das gute Recht von Arbeitnehmern, diesem Aufruf zu folgen. Damit müssen wir klarkommen. Der Festakt zum Jubiläum hat trotzdem stattgefunden, aber die Ambivalenz der Lufthansa Group rückte durch diese Gleichzeitigkeit stark in den Vordergrund: Wir sind einerseits auf unsere Marke stolz, auf unser Unternehmen und unsere Historie. Zugleich gibt es stark unterschiedliche Meinungen dazu, welche wirtschaftlichen Spielräume für zusätzliche tarifliche Verbesserungen bestehen.

Während des Festakts im neuen Besucherzentrum Hangar One streikten Cockpit- und Kabinenpersonal. Hat das die Veranstaltung überschattet?

Die Kundgebung war zumindest präsent. Die Demonstrierenden waren zwar nicht direkt am Veranstaltungsort, weil es wegen der Sicherheitsvorkehrungen eine Art Bannmeile gab. Trotzdem wusste man und hat teilweise auch gesehen und gehört, dass die Menschen da draußen ihrem Protest Ausdruck verliehen. Viel schwerer als die Beeinträchtigung einer Veranstaltung wog allerdings die bittere Enttäuschung unserer Kunden. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen mussten wir Flüge umbuchen oder sogar streichen und haben damit zehntausende Fluggäste nicht wie geplant an ihre Ziele geflogen. So wollten wir uns im Jubiläumsjahr nicht präsentieren, auch wenn die anderen Airlines der Gruppe an Streiktagen der Kernmarke 75 Prozent aller Lufthansa-Group-Flüge in die Luft bringen.

Wie bringen Sie diese widersprüchlichen Gefühle gegenüber dem Unternehmen kommunikativ unter einen Hut?

Die Ambivalenz ist an solchen Tagen allgegenwärtig. Den Menschen, die dort draußen demonstriert haben, möchte ich gar nicht absprechen, dass sie ihre Lufthansa lieben und sie nicht verlassen möchten. […]

Titelseite des prmagazins, Ausgabe Mai 2026, mit dem Titel 'Monika Schaller geht bei SAP - ALL IN'. Die Abbildung zeigt eine lächelnde Frau mit Brille und rotem Schal.



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