What’s Your Story?



Von Zeitungsbote über Tennistrainer bis Sargschleifer: 14 PR-Profis erinnern sich an den ersten Job ihres Lebens. Was hat er sie fürs (Arbeits-)Leben gelehrt? Hat er irgendetwas mit ihrem heutigen Beruf zu tun – oder gerade im Gegenteil? Ein nicht ganz bierernster Rückblick auf die alten Zeiten.


Jörg Howe
Generalbevollmächtigter für Kommunikation und Außenbeziehungen
Daimler Truck

Der erste Job meines Lebens war der eines Zeitungsausträgers. Ich habe in den 1960er Jahren im schleswig-holsteinischen Ahrensburg mit meiner Mutter gemeinsam ein Anzeigenblatt ausgetragen. Eine Wagenladung von Druckerzeugnissen kam jeden Donnerstag, und wir haben den Ahrensburger Markt dann freitags und sonnabends großflächig in der Kleinstadt verteilt. Das Ziel war für mich klar: Ich wollte ein eigenes, großes Fahrrad haben. Große Räder, aber vor allem eine Torpedo-3-Gangschaltung. Das Fahrrad konnte ich mir dann nach zwei Jahren voller Stolz für 171 D-Mark kaufen. Ich wollte damit jeden Morgen in meine neue Schule radeln, ein althergebrachtes Gymnasium, nur wenige Kilometer entfernt. Was ich nicht bedacht hatte: Ich brauchte eine Fahrradmarke, um mein Rad in der Schule unterzustellen, bekam sie aber nicht, weil ich nur 2,9 Kilometer entfernt wohnte, und drei Kilo- meter waren die Mindestentfernung für die Marke. Die Enttäuschung war groß, aber ich fand dann doch schnell einen Stellplatz bei Freunden in der Nähe der Schule für mein geliebtes Fahrrad.

Jörg Howe trug in den 60ern Zeitungen aus – und träumte von einem großen Fahrrad mit Torpedo-3-Gangschaltung.

Was ich dabei gelernt habe? Es lohnt sich, für Ziele und Träume, die man hat, zu kämpfen, auch wenn es manchmal schmerzt. Und: Hindernisse muss man überwinden, und Umwege muss man manchmal gehen. Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit sind heute genauso wichtig wie damals, aufgeben gilt nicht, und man braucht kreative Ideen! Und auch sonst hat mein erster Job mit dem zu tun, was ich heute mache: Die Liebe zu Medien war schon früh vorhanden. Und ich wollte schon immer etwas mit Zeitungen, die mir sehr wichtig waren, zu tun haben. Das Anzeigenblatt war der Einstieg in meine Mediensucht, wenig später habe ich die Bild gelesen und die Süddeutsche Zeitung gesammelt. Von da an war es nur ein kleiner Schritt hin zu elektronischen Medien und einem, heute würde man sagen „Multimedia- Mix“ meiner Interessen. Und es war logisch, dass ich später Journalist wurde, danach PR-Mensch.


Alexandra Groß
Vorstandsvorsitzende
Fink & Fuchs

Da sich in meiner Jugend ziemlich viel um Tennis drehte, habe ich mein erstes Geld mit Tennistrainerstunden verdient. Erste Erfahrungen habe ich mit Grundschulkindern gesammelt. Wenig später habe ich Einsteigertrainings für Erwachsene gegeben. Ich habe aber irgendwann festgestellt, dass man ziemlich viel Geduld braucht, da nicht jeder neu Erlerntes sofort umsetzen kann. Junge Menschen zu motivieren, an komplexen Dingen dranzubleiben, hat mich am stärksten gefordert. Ich musste mir viele unterschiedliche Herangehensweisen und Perspektiven aneignen, um jedem Schüler gerecht zu werden. Jeder lernt anders, da ist viel Empathie gefragt. Dass dies ein wesentlicher Baustein für Jobs mit Führungsverantwortung ist, war mir so damals noch nicht klar. In der Rückschau habe ich damals viel gelernt. Heute liebe ich es, meine beruflichen Erfahrungen an den Kommunikationsnachwuchs weiterzugeben und sie für den Agenturjob zu begeistern. Die Möglichkeiten, eine Kommunikationskarriere zu gestalten, sind so vielseitig wie individuell.

„Man braucht ziemlich viel Geduld“: Ihr erster Job als Tennistrainerin hat so einiges mit ihrer heutigen Arbeit zu tun, findet Alexandra Groß.

Frank Behrendt
Senior Advisor
Serviceplan PR & Content

Mein erstes Geld verdiente ich als Aushilfe in einem Blumenladen. Da ich ein miserabler Einpacker war, blieb ich nur kurz. Stattdessen machte ich mich mit meinem Bruder selbstständig: Wir vermieteten Fahrräder an Touristen. Weil wir so erfolgreich waren, konnte ich mich schnell auf die Chefrolle konzentrieren und beschäftigte die Nachbarskinder. Gelernt habe ich, dass man mit einer guten Idee und einem Top-Service immer gewinnt. Aber ich musste auch erfahren, wie schnelles Wachstum zu Problemen führt und die Qualität schnell sinkt, wenn man nicht hervorragendes Personal hat. Von den Erfahrungen profitiere ich noch heute, denn ich bin immer noch nett zu Kunden, wertschätze und pflege gutes Personal. Verrückte Ideen habe ich auch weiterhin. In meinem ersten Job habe ich stets unsere Fahrräder und unseren Service mit glänzenden Augen präsentiert – das mache ich immer noch. Zwar preise ich keine Drahtesel mehr an, aber zum Beispiel die Produkte unserer Kunden, wie den Weber-Grill.

„Gute Idee und Top-Service gewinnen immer“: Frank Behrendt (l.) und sein Bruder Ulf vermieteten Fahrräder an Touristen.


Möchten Sie weiterlesen? Klicken Sie hier, wenn Sie ein Jahres- oder Probeabo abschließen oder ein Einzelheft bestellen möchten.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe März 2024.