
Die Methoden von Cyberkriminellen werden immer ausgeklügelter und bringen Unternehmen in Bedrängnis. In Deutschland gab es im Jahr 2023 mehr als 120.000 polizeilich registrierte Fälle, Dunkelziffer ungewiss. Wie man sich für einen Angriff wappnet – und was zu tun ist, wenn die Hacker im System sind.
An einem Sonntag im Sommer 2023 bekam Thomas Tschirf eine Warn-E-Mail: Es befinde sich Ransomware im Netzwerk! Das Solarunternehmen hep war angegriffen worden – von Hackern. Tschirf ist Finanzchef bei hep und war im nächsten Moment erleichtert, denn es gab auch eine Entwarnung: Die Software sei isoliert worden, die Cloud-Server funktionierten. Zu diesem Zeitpunkt war nicht abzusehen, dass die Daten von 170 Mitarbeitern und von 5.000 Investoren, die ihr Geld in den Solarparkbauer aus Baden-Württemberg gesteckt hatten, dennoch in Gefahr schwebten.
Am nächsten Morgen, dem Montag, hatten die Hacker den Alt-Server verschlüsselt, der trotz der neuen Cloud-Anwendung noch in Betrieb war. Niemand kam mehr an die dort gespeicherten Unternehmensdaten heran, und die Angreifer drohten, sensible Daten zu veröffentlichen, wenn hep das geforderte Lösegeld nicht zahle.
In sozialen Medien spekulierten User bereits über einen Cyberangriff – eine gigantische Krise rollte auf CFO Tschirf und seine Kollegen zu. „Wir agierten in einer Art Nebel“, erinnert er sich. Erst als die Sicht in den kommenden Stunden und Tagen allmählich klarer wurde, zeigte sich das ganze Ausmaß der Attacke.
Datendiebstahl, Spionage, Sabotage – Cyberattacken machen der Wirtschaft immer mehr zu schaffen. Im Jahr 2023 entstanden deutschen Unternehmen bei solchen Angriffen laut einer Bitkom-Umfrage Schäden in Höhe von 206 Milliarden Euro. Es geht längst nicht mehr darum, ob es jemanden trifft, sondern wann, warnen Beratungen, die sich auf Cyberattacken, Krisenkommunikation und Business Recovery spezialisiert haben. Ihr Geschäft boomt, ebenso wie das der Cyberversicherungen.
Eine solche Versicherung hatte auch hep abgeschlossen und wurde von ihr an besagtem Montag sogleich mit einem für den Fall zusammengestellten Krisenteam verbunden. In diesem Kreis sitzen IT-Forensiker, Verantwortliche für den IT-Wiederaufbau, Experten für die Verhandlungen mit den Erpressern, IT-Rechtsberater und Kommunikationsprofis.
Auf Unternehmensseite zeichnete Katrin Wolf für die Kommunikation verantwortlich. Sie war gerade aus der Elternzeit zurückgekehrt und hatte sich eigentlich auf eine Ankommensphase in Teilzeit gefreut. Daraus wurde nichts. […]

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe März 2024.
