Stumpfes Damoklesschwert

Weniger Drohkulisse, mehr Zuversicht: Klimaschutz braucht eine positive Kommunikation des Machbaren, meint Kommunikationsberater Volker Heck.

„Das ständige Wiederholen der Fakten hat wenig gebracht.“ – Volker Heck.


Im Juli 2019 gingen an einem Tag mehr als 1,4 Millionen Menschen in 500 deutschen Städten auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Dieses Jahr waren es 95 Prozent weniger. Hat sich die Erderwärmung verlangsamt, oder sind die Deutschen weniger an Klimaschutz interessiert? Zweimal nein.

Eine aktuelle Befragung der KfW-Bankengruppe zeigt, dass 84 Prozent der Privathaushalte die Abkehr von fossilen Energien als sehr wichtig ansehen. Viele planen Investitionen in ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder eine PV-Anlage. Unstreitig ist, dass der Hitzesommer 2026 ein Treiber dieser Entwicklung ist. RKI-Schätzungen zufolge gab es in Deutschland zwischen April und Mitte August mehr als 16.000 Hitzetote. Wie viele Sondersendungen hätte es gegeben, wären im selben Zeitraum drei Flugzeuge abgestürzt und dabei ein Zehntel dieser Menschenmenge zu Tode gekommen?

Die Kommunikation zur Klimapolitik leidet an verschiedenen Irrtümern, nicht nur in Deutschland. Fakt ist: „Die Wahrheit über das Klima hilft nicht weiter“ (Der Spiegel, 19.08.2026). Seit 40 Jahren ist sich die internationale Klimaforschung einig über die menschengemachten Ursachen des Klimawandels. Das ständige Wiederholen der Fakten hat jedoch wenig gebracht. In Teilen hat es sogar das Gegenteil bewirkt. Auch die deutsche Politik hat seit 2005 zu wenig für den Klimaschutz getan, vor allem in den Sektoren Verkehr und Wärme. Statt zu handeln, formulierte sie immer neue und höhere Ziele.

Damit verlagerte sie die Probleme in die Zukunft – und das rächt sich jetzt. In der Gesamtbetrachtung müssen Jüngere die klimapolitischen Altlasten der vergangenen 20 Jahre zur Seite räumen – und parallel dazu die Sozialversicherungen sanieren. Eine Verschiebung der Klimaziele wird nicht helfen. „Ein eskalierender physikalischer Vorgang“ wie der Klimawandel „lässt sich nicht aussitzen“ (Der Spiegel, 23.08.2026). Auch können wir als Volkswirtschaft mit den jährlichen Ausgaben für fossile Energieimporte von nahezu 80 Milliarden Euro Intelligenteres anstellen.

Kein Unternehmen kann eine Transformation als Zwang erfolgreich verkaufen. Das gilt auch gesamtwirtschaftlich für die Energiewende. Der stete Hinweis auf das über uns baumelnde Damoklesschwert führt deshalb nicht weiter. Erforderlich ist eine andere, eine positive Kommunikation des Machbaren.

Der Verzicht auf den Verbrenner ist keine Belastung, sondern ein Umstieg auf ein qualitativ meist besseres Auto. Eine neue Wärmepumpe ist kein „Heizhammer“, sondern spart bei steigenden Gaspreisen schnell massiv Geld ein. Batterien werden das deutsche Stromsystem in wenigen Jahren so grundlegend verändern, dass viele Menschen PV-Anlage, Batterien und E-Autos miteinander verbinden und sich (nahezu) autark versorgen können.

Das alles braucht staatliche finanzielle Unterstützung, aber bitte konzentriert auf sozial Schwächere.
Was uns nicht weiterhilft, sind politische Floskeln, dass woanders auch nichts passiert oder Klimaschutz die Industrie vernichtet. Die Schäden des Nichtstuns sind nachweislich höher – wie dieser Sommer gezeigt hat. Für Industrie und Gesellschaft.

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