EnBW-CEO Georg Stamatelopoulos wirbt für eine Entideologisierung der energiepolitischen Debatte. Derweil entwickelt sein PR-Chef Sebastian Ackermann die Kommunikation seit seinem Start im Januar 2025 behutsam weiter – etwa in puncto Datennutzung und Imagewerbung. Sein Credo: Ziele erreicht man nur mit den Menschen, nicht gegen sie.

Er war gerade ein paar Tage im neuen Job, da bekam Sebastian Ackermann eine Lehrstunde in authentischer Kommunikation. Nicht im Konferenzraum oder bei der Vorstellungsrunde mit seinem neuen Team – sondern an einer Ladesäule an der A3. Es war das erste Wochenende nach seinem Start als Leiter Kommunikation und Marke bei EnBW. Ackermann hatte am Hauptsitz in Karlsruhe gearbeitet und fuhr mit seinem neuen Dienstwagen – natürlich einem E-Auto – zurück ins heimische Köln.
Als er eine Ladesäule mit EnBW-Logo ansteuerte, kämpfte vor ihm ein Ehepaar mit den Tücken der Technik. „Die bekamen die Säule nicht dazu, ihr Auto zu laden“, erzählt Ackermann. „Sie fluchten und schimpften.“ Dann entdeckten sie den EnBWHausausweis an seiner Gürtelschlaufe. „Sie sind von dem Unternehmen?“, fragte der Mann. „Ja, ich bin aber eigentlich nur der Unternehmenssprecher“, antwortete Ackermann. „Ich bin selbst gerade neu in der Firma und noch Pionier beim Autoladen.“ Er gab sein Bestes, dem Paar zu helfen, und die beiden reagierten freundlich. „Manchmal kommt es nicht darauf an, die beste Botschaft zu haben, sondern glaubwürdig zu sein“, sagt er.
Die Anekdote zeigt, wie Ackermann tickt. Er ist eloquent und gesprächig – aber eher leise und bescheiden, keiner, der mit dem Kopf durch die Wand will oder die Konfrontation sucht. Trotz seiner großgewachsenen Statur bleibt er lieber im Hintergrund. Man glaubt ihm sofort, was er über seine Ausbildung zum systemischen Coach erzählt: dass sie ihn gelehrt hat, Ziele mit Menschen zu erreichen und nicht gegen sie.
Beim prmagazin-Gespräch in Stuttgart, einem wichtigen Verwaltungssitz von EnBW, sagt er immer wieder Sätze, die das unterstreichen: „Ich gehöre zu den Kommunikatoren, die sich ausdrücklich nicht um jeden Preis ins Geschäft einmischen“, ist so ein Satz. Oder: „Man muss seine Rolle kennen.“ Als er im Januar 2025 als EnBW-Kommunikationschef antrat, krempelte er bewusst nicht alles um. Stattdessen beobachtete er und passte dann behutsam an. „Ich bin nicht der Typ ,neue Besen kehren gut‘“, sagt Ackermann.
Diese Mentalität führte wohl auch dazu, dass manche Beobachter überrascht waren, als der 58-Jährige die Kommunikation von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger übernahm. Ackermann sei bisher „wenig aufgefallen“, sagt der Redakteur einer Fachpublikation für die Energiebranche. Seine Arbeit bei MVV Energie in Mannheim beschreiben Journalisten als handwerklich gut – aber Ackermann habe sich eben nicht besonders hervorgetan.
Aus EnBW-Sicht passt die Wahl offenbar gut: Man will, dass Ruhe einkehrt und das Unternehmen sich konsolidiert. „Ackermann kennt die Branche“, sagt der Fachredakteur, „und nach dem Schell-Experiment will man niemanden, der alles umkrempelt.“ Gemeint ist Andreas Schell, der im März 2024 als EnBW-Chef zurücktrat. Der Maschinenbauer war branchenfremd, hatte zuvor unter anderem bei Anlagenbauern gearbeitet und kannte sich Beobachtern zufolge nicht in der Tiefe mit dem Geschäft von EnBW aus. Am Ende kam es zum Machtkampf, und Schell machte Platz für seinen internen Widersacher Georg Stamatelopoulos – ein EnBW-Urgestein, Fachmann durch und durch, seit 2010 im Unternehmen und zuletzt Leiter der Kraftwerkssparte.
Auch in der Kommunikation hatte es viel Hin und Her gegeben. Bis vor gut zwei Jahren leitete Jens Schreiber den Bereich Konzernkommunikation und Marke. Unter Schell folgte Christoph Ringwald, der EnBW etwa zeitgleich mit dem Rücktritt des CEO wieder verließ. Interimistisch übernahm Silke Walter, zeitweise wieder unterstützt von Jens Schreiber als Berater im Hintergrund. Walter leitet jetzt unter Ackermann die Konzernkommunikation.
Als EnBW bei ihm anfragte, sei er eigentlich sehr glücklich bei MVV gewesen, erinnert sich Ackermann […]

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