Skill-Buster

Wegen des Fachkräftemangels müssen Personalverantwortliche neue Wege gehen. Künstliche Intelligenz wird zu einem mächtigen Instrument, um Talente zu identifizieren und das traditionelle Recruiting neu zu definieren. Das erfordert ein radikales Umdenken.

(Dieses Bild wurde mit KI generiert. Illustration: prmagazin/DALL·E)

Lukas ist nervös. Der gelernte Automechaniker hat sich als Grafikdesigner bei DesignPulse beworben, einer der angesagten Kreativagenturen. Seine Designkenntnisse? Selbst beigebracht. Seine Mappe? Ungestüm, voller Talent mit Ecken und Kanten. Das erste Gespräch lief großartig. Die Testaufgabe hat Lukas mit Bravour gemeistert. Jetzt wartet er auf den nächsten Schritt. Doch die Tage vergehen. Keine E-Mail. Kein Anruf. Keine Nachricht. DesignPulse hat ihn offensichtlich vergessen – geghostet, wie man unter Personalern sagt.

Aber warum ghosten Unternehmen überhaupt? Überlastete HR-Teams, mangelnde Prozesse oder schlicht fehlende Wertschätzung gegenüber Bewerbern sind häufige Gründe. Die Story von Lukas ist nicht untypisch: Einer Umfrage der Online-Stellenbörse CareerBuilder aus dem Jahr 2019 zufolge bekamen 75 Prozent der Bewerber, die sich auf eine Stelle beworben hatten, nie eine Rückmeldung.

Die Zahlen erstaunen angesichts der knappen Personaldecke in vielen Unternehmen. All das sind verpasste Chancen, einen Talent-Pool aufzubauen. Zudem kann die Reputation leiden: Enttäuschte Kandidaten wie Lukas tauschen sich aus und teilen ihre Erfahrungen auf Bewertungsplattformen wie Glassdoor und kununu. Man sieht sich immer zweimal.

Das Problem liegt indes woanders. Die alte Welt der Zeugnisse und formalen Abschlüsse, der Beziehungen und Netzwerke verliert an Bedeutung. In einer sich wandelnden Wirtschaft zählen nicht mehr nur Titel, sondern tatsächliche Fähigkeiten – und zunehmend auch Soft Skills. Unternehmen müssen all das aufspüren und die entsprechenden Talente mit allen Mitteln an sich binden.

Diese Entwicklung erfordert ein radikales Umdenken – weg von einer am Bildungsstatus orientierten hin zu einer skill-getriebenen Ökonomie. Das haben viele noch nicht verstanden. […]


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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe September 2024.