Die KfW unter Führung von Stefan Wintels ist Deutschlands bekannteste unbekannte Bank. Sie finanziert Wohnungen, investiert in Klimaschutz und mobilisiert in Krisen Milliarden. Trotzdem finden öffentliche Auftritte meist bloß in Fachmedien Beachtung. Kommunikationschefin Verena Köttker versucht, die Stimme der Staatsbank zu finden – ohne zu überdrehen.

So richtig glücklich war das Timing nicht. Aber Stefan Wintels geht einfach in den „Vielleicht gerade deshalb jetzt“-Modus. Es ist Dienstag, der 8. September 2026, die Medien der Republik kehren noch den politischen Scherbenhaufen zusammen, den die Wahl in Sachsen-Anhalt am Wochenende bei der Regierungskoalition hinterlassen hat. Und der Chef der staatlichen KfW Bankengruppe verkündet in einer Pressekonferenz gemeinsam mit seinem Chefvolkswirt Dirk Schumacher Ergebnisse einer Analyse der hauseigenen Research-Abteilung zum Wirtschaftsstandort Deutschland.
Sie präsentieren eine „neue Wachstumsformel“, mit deren Hilfe Deutschland in zehn Jahren wieder einer der führenden Technologie- und Innovationsstandorte der Welt sein könnte. Zwölf politische Handlungsempfehlungen für mehr wirtschaftliche Dynamik: Investitionen, Energie, Fachkräfte, Bildung, Digitalisierung, Start-ups, Kapitalmarkt, technologische Souveränität und geopolitische Resilienz. Dazu eine optimistische Prognose: Langfristig könne Deutschland das Comeback schaffen. Das Echo auf die Studie ist verhalten. Agenturmeldungen bestimmen die Berichterstattung, große Schlagzeilen macht die KfW mit ihrem Vorstoß nicht. Wie auch – zwei Tage nach dem AfD-Durchmarsch.
Mit eigenen Themen in der Öffentlichkeit durchzudringen, sei ohnehin immer schwieriger in dieser zunehmend zersplitterten Medienlandschaft, sagt Wintels am Nachmittag beim Treffen mit dem prmagazin in der Frankfurter Bankzentrale. Es wirkt nicht, als wolle er sich damit abfinden. Der KfW-Chef gibt sich überaus selbst-, sendungs- und kommunikationsbewusst. „Ohne gesellschaftliche Akzeptanz kann die KfW ihren Förderauftrag nicht erfüllen“, betont er. Die Konsequenz: Rund die Hälfte seiner Arbeitszeit sei Kommunikationsarbeit.
Dass dieses Porträt von Verena Köttker mit ihrem CEO beginnt, hat einen Grund: Sie war Ende 2022 der „erste große Hire“ von Wintels, der Ende 2021 den Vorstandsvorsitz bei der KfW übernommen hatte, erzählt die Leiterin Konzernkommunikation und Markensteuerung. Ihre Ernennung dürfte allein bereits für das stehen, was ihr Chef so gern als seine „Ambition“ bezeichnet: die einstige „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ im ganzen Land als „digitale Transformations- und Förderbank“ zu positionieren – so steht es in seiner „KfWplus“-Strategie.
Um das zu erreichen, schuf er überhaupt erst mal einen eigenständigen Bereich für Kommunikation mit direkter Berichtslinie an ihn. Zuvor war die PR-Abteilung einer anderen Stabsstelle untergeordnet, dem sogenannten Generalsekretariat. […]

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