Mineralölindustrie

Die horrenden Spritpreise sorgen nicht nur bei Verbrauchern für Ärger. Auch die Politik ist verstimmt – und versucht, die Spirale zu stoppen. Wie reagiert die Mineralölindustrie in Deutschland auf diese Vorstöße? Das wollten wir im Pressestellentest wissen. Dabei zeigt sich: Die Branche fährt eine riskante Medienstrategie.

Robert Habeck ist verstimmt. Die Rohölpreise sind nach den Spitzenwerten zu Beginn des Ukraine-Kriegs längst wieder gesunken – doch die Spritpreise an den Tankstellen bleiben hoch. Der Bundeswirtschaftsminister will deshalb das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen ändern lassen. Künftig soll das Bundeskartellamt nicht nur die Preisentwicklung an den 15.000 Tankstellen in Deutschland überwachen, sondern auch Raffinerien und Großhandel sollen die von ihnen verkauften Mengen melden.

Von den in Deutschland tätigen Mineralölkonzernen und ihren Verbänden wollten wir im Pressestellentest wissen, wie sie auf den Vorstoß reagieren. Schon am ersten Testtag wird deutlich: Dies wird kein Test, wie jeder andere. Die Pressestellen fahren eine riskante Medienstrategie: Sie schweigen entweder ganz – oder verweisen an einen der großen Verbände. Das zeigt, dass man sich auf heiklem Terrain glaubt – und das Vertrauen in die Verbandsarbeit groß ist.

An die Branchenvertretungen zu verweisen, ist völlig legitim – allerdings nicht immer sinnvoll, wie unsere Stichprobe offenbart. Nur der Verband der Mittelständischen Mineralölwirtschaft (MEW) liefert „erstklassig“ ab, und zwar im Schulterschluss mit dem Bundesverband Freier Tankstellen (BFT). Die Verbände en2x und Uniti schicken zwar grundsolide Auskünfte, aber von wirklich hochkarätiger Pressearbeit sind ihre Leistungen in dieser Stichprobe noch ein gutes Stück entfernt.

Kathleen Kollewe, Managerin Klimapolitik/
Kommunikation MEW
Stephan Zieger, Geschäftsführer
bft

Kollateralschaden für die Konzernpressestellen: Die mittelmäßige Arbeit der Verbände fällt ihnen reihenweise auf die Füße. Zu bemängeln ist zudem, dass kein einziges Unternehmen bereit ist, zumindest die beiden konzernspezifischen Fragen zu beantworten, die die Verbände naturgemäß nicht übernehmen können. Fazit unserer Stichprobe: Die Pressearbeit der Mineralölbranche ist dringend reformbedürftig!

  1. MEW/bft
  2. en2x
  3. Uniti
  4. Orlen
  5. BP
  6. ExxonMobil
  7. Phillips 66
  8. Tamoil
  9. Shell
  10. OMV
  11. Eni
  12. TotalEnergies
  13. Avia

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