Nach den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zeigt die Medienanalyse: Der siegreiche Kandidat dominierte schon vor dem Urnengang die Berichterstattung. Welche Politiker mit welchen Themen besonders punkten konnten, erläutert Wolf-Dieter Rühl, Head of Research Services bei Unicepta.

Am Ende gab es sogar Applaus vom politischen Gegner. Dietmar Woidke, Ministerpräsident von Brandenburg und Spitzenkandidat der SPD, wurde am Wahlabend in der TV-Elefantenrunde von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ausdrücklich gelobt: Mit seinem Mut, das eigene politische Schicksal konsequent an den Ausgang der Wahl zu knüpfen, habe Wahlsieger Woidke alles richtig gemacht.
Brandenburg:
Woidke (SPD): Hoch gepokert, gewonnen
Tatsächlich hatte der Sozialdemokrat hoch gepokert. Falls er mit seiner Partei nicht das stärkste Ergebnis einfahren würde, so Woidkes Wahlkampf-Mantra, werde er als Ministerpräsident nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit dieser klaren Aussage dominierte er zuletzt die Berichterstattung zur Landtagswahl in Brandenburg. Insgesamt wurde Woidke in 46 Prozent der knapp 13.200 analysierten Artikel thematisiert, die im Monat vor dem Urnengang mindestens einen der Spitzenkandidaten erwähnten.
Der Abstand zu den Wettbewerbern ist enorm. CDU-Kontrahent Jan Redmann wurde nur in 19 Prozent der Beiträge erwähnt, Hans-Christoph Berndt von der AfD in 14 Prozent. Wie stark die Medienpräsenz die Wahlentscheidung letztlich beeinflusst hat, lässt sich nicht seriös beziffern. Dass der starke Endspurt des Amtsinhabers aber zumindest zum Teil auch auf die Medienresonanz zurückzuführen ist, scheint naheliegend.
Denn bei den anderen beiden Landtagswahlen im September zeigte sich das gleiche Bild. Sowohl Sachsens CDU-Spitzenkandidat Michael Kretschmer als auch AfD-Führungsfigur Björn Höcke in Thüringen vereinten im Monat vor dem Urnengang jeweils die größte Medienaufmerksamkeit auf sich. Und ihre Parteien wurden jeweils stärkste Kraft im eigenen Land. […]

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe Oktober 2024.
