KI als Co-Pilotin

Aus der Initiative eines einzelnen Mitarbeiters entstand bei Daimler Truck eine fünfmonatige KI-Lernreise. So machte der Dax-Konzern rund 50 Kommunikationsprofis fit für die neue Arbeitswelt. Die Strategie: Community statt Zwang, Humor statt Angst – und die Botschaft: Der Mensch bleibt wichtig.

Das „KOMKI-Team“ von Daimler Truck (von links): Oliver Nüssle, Jun Li, Projektinitiator Marian Baumgärtner und Kai Wolfer. (Foto: Florian Duve/Daimler Truck AG)

Im Frühling 2025 ging Marian Baumgärtner zu seinem damaligen Chef Jörg Howe und fragte ihn, ob er mal was ausprobieren dürfe. Er wollte der globalen Kommunikationsabteilung von Daimler Truck ein KI-Update verpassen – aber nicht irgendwie nebenbei, sondern als Großprojekt mit eigenem Team.

Denn Baumgärtner war klar: Künstliche Intelligenz verändert die Profile seiner Profession rasant. Es erwies sich aber als enorme Herausforderung, dies einem ziemlich großen Team – 100 Personen, verantwortlich für weltweit 100.000 Mitarbeitende – schmackhaft zu machen, parallel zum Tagesgeschäft des Dax-Konzerns.

Marian Baumgärtner ist Manager Communications Performance Management, Data Analytics & AI Solutions bei dem Nutzfahrzeughersteller und damit qua Jobtitel für das Thema KI verantwortlich. Wie vielerorts in der Branche gab es im Konzern Anfang 2025 natürlich allgemeine KI-Prinzipien – ein wichtiger Rahmen, findet Baumgärtner. Doch die Kommunikation sollte tiefer in das Thema einsteigen. Und sein Chef Jörg Howe, seit diesem Jahr im Ruhestand, signalisierte: „Mach mal!“

Also stellte Baumgärtner ein Team auf, genannt KOMKI. Es besteht aus ihm selbst und drei weiteren Personen, die KI gern nutzen und dem Thema zugeneigt sind: Data-Intelligence-Experte Oliver Nüssle, Kai Wolfer, Sprecher bei Daimler Buses, und Jun Li, Senior Specialist for AI & Asia Communications. Zwei Ziele waren klar: Sie wollten den Kollegen vermitteln, was KI heute schon kann – und welche Auswirkungen die Technologie morgen auf ihre Jobprofile und ihre tägliche Arbeit haben wird.

Phase eins: Sich sortieren

Die ersten Wochen verbringt das KOMKI-Team damit, einen Plan zu schmieden. „Als Erstes wollten wir diese Buzzword-Ebene von KI verlassen und die Technologie greifbar für alle machen“, sagt Baumgärtner. Die KI-Initiative soll Grundlegendes klären: Wie stehe ich persönlich zu KI? Was bedeutet ihr Einsatz für meine Arbeit?

Das Team vergegenwärtigt sich die Prinzipien, die der Konzern bis dahin festgelegt hat: Entscheidungen bleiben beim Menschen, KI-Anwendungen müssen sicher sein, Grenzen klar und Datenschutz garantiert. Das Zielbild, das sie vermitteln wollen, lautet: KI soll unsere Arbeit nicht ersetzen, sie soll sie leichter machen. „Es geht nicht um automatisiertes Texten, sondern vor allem um Recherche, Datenanalyse, Storytelling und mehr Freiheiten im kreativen Denkprozess“, sagt Baumgärtner. KIAgenten als Sparringspartner und Kritiker.

Phase zwei: Handlungsbedarf verdeutlichen

Doch bevor das KOMKI-Team überhaupt anfangen kann, KI-Tools zu entwickeln, muss es Verständnis dafür schaffen, dass der Handlungsbedarf groß ist. Allen soll klar werden, dass das Thema KI nicht irgendein hochgejazzter Trend ist, der bald wieder verfliegt. Baumgärtner und Kollegen wollen aber auch keine Angst verbreiten nach dem Motto: Dein Job ist in Gefahr. „Es geht für uns nicht um Verlust, es geht um Veränderung“, sagt Baumgärtners Co-Lead Jun Li. […]


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