Robin Zimmermann leitet seit vier Jahren die Kommunikation des Energietechnikunternehmens Siemens Energy. Bei dem Spin-off musste er aus Produktkommunikatoren ohne Corporate-Erfahrung ein schlagkräftiges Team formen, 30 Prozent der Stellen abbauen – und geriet mit dem selbst ernannten „Schnellboot“ gleich mehrfach in gefährliche Strömungen.

Wer Robin Zimmermann in der „EnergySphere“ besucht, der Konzernzentrale von Siemens En ergy in Berlin-Moabit, bekommt die historischen Werkshallen gezeigt. Riesige Oberlichter leuchten hier hunderte Tonnen schwere Turbinen aus. Zimmermann führt seine Besucher auch gern in einen Raum, dessen Wände aus Bildschirmen bestehen – in der Mitte ein Tisch mit Touchscreen. Darauf lassen sich verschiedene Szenarien der Energiewende simulieren.
Auf der Videowand laufen die dazu passenden Animationen. Wie wirkt es sich aus, wenn man alle Kohlekraftwerke auf einmal abschaltet? Wie viel stabiler wird das Netz, wenn wir mehr Stromspeicher bauen? Wie stark sinkt die Strommenge an bedeckten Tagen ohne Wind (Dunkelflaute) in den unterschiedlichen Konstellationen? „Wir können hier stundenlang teils sehr komplexe und detaillierte Modelle durchspielen“, sagt Zimmermann. Selbst Energieexperten seien immer wieder verblüfft – so ganzheitlich konnten die meisten diese Szenarien noch nie live betrachten.
Die aufwendige Gamification-Installation steht sinnbildlich für Zimmermanns Job. Der 53-Jährige will vermitteln, dass Siemens Energy – Europas größter Energietechnikhersteller, Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern, Spezialist für hocheffiziente Gaskraftwerke, Energienetze und Elektrolyseure – alle Technologien liefert, die es für die Energiewende braucht: nicht nur die Ausrüstung für Erneuerbare, sondern vor allem die verschiedenen Gerätschaften für die Übergangsphase. Zimmermann will Siemens Energy also als eine Art „Möglichmacher“ einer ausgesprochen herausfordernden Energiewende positionieren. Doch weil eben diese Komplexität selbst das Narrativ ist, ist es oft ziemlich schwer, mit den Botschaften durchzudringen.
Als 2017 der damalige CEO Joe Kaeser seine Pläne bekanntgab, das Konglomerat Siemens zu entflechten, leitete Zimmermann die externe Kommunikation des Münchner Dax-Konzerns. Kaeser wollte den Tanker in mehrere Schnellboote aufteilen, wie er es nannte. Zuerst spaltete er die Gesundheitstechnik ab. Das entsprechende Spin-off heißt heute Siemens Healthineers. Die Konzernkommunikation rund um dessen Börsengang war Robin Zimmermanns erste Projektleitung.
Zu dem Zeitpunkt gab es wohl schon Überlegungen, nach demselben Muster auch die Energie- und Kraftwerkstechnik auszugliedern. 2019 wurden die Pläne konkreter, Siemens-Kommunikationschefin Clarissa Haller und der designierte Energie-CEO Michael Sen fragten Zimmermann, ob er die Kommunikation einer neuen, noch zu gründenden Siemens Energy übernehmen würde. Er sagte zu. Was damals wohl noch nicht absehbar war: Das Energy-Schnellboot geriet fast von Beginn an alle paar Meter in eine Stromschnelle.
Dabei wäre der Job auch so schon schwierig genug gewesen. Zimmermann hatte aus den Kommunikationsteams der Divisionen eine starke Corporate- Truppe zu formen. „95 Prozent der Kolleginnen und Kollegen kamen aus dem Bereich Produktmarketing“, berichtet er. Das, betont er, sei nichts Schlimmes – nur hatte sich der Auftrag an die Kommunikation eben über Nacht verändert. Die wenigsten hatten Erfahrung mit Unternehmenskommunikation. Auch habe man sehr von innen nach außen kommuniziert und kaum auf die Daten geschaut. So strömten pro Jahr bis zu 300 Pressemitteilungen aus den verschiedenen Bereichen heraus.
Deswegen stand in Zimmermanns erster Präsentation: „Wir machen ab sofort keine Produktkommunikation mehr, sondern konzentrieren uns auf die Positionierung des Unternehmens und unseres Purpose.“ Er entwickelte eine neue Struktur für die Abteilung. Parallel ging die Firma in eine Restrukturierung, weil die Kostenbasis „einfach überhaupt nicht gepasst hat“, sagt Zimmermann. Es sei „ein schmerzhafter Prozess“ gewesen. Am Ende musste er 30 Prozent der Stellen abbauen, konnte aber auch einige neue Leute holen. […]

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe März 2024.
