Jeanne D’Arc der Commerzbank

UniCredit hat ihr Werben um die Commerzbank von Beginn an mit einer offensiven Erzählung verbunden. Im Ringen beider Seiten um die Deutungshoheit und die Zustimmung der Aktionäre griffen die Italiener das Management und die Strategie der Frankfurter ungewöhnlich scharf an. Der Übernahmekampf mutierte zum Duell zwischen den CEOs Andrea Orcel und Bettina Orlopp.

(Bild: prmagazin/OpenAI)


Die Äußerungen sorgten für Schlagzeilen. „Unprofitabel“ sei die Commerzbank, „strukturell schwach“. Mit solchen Urteilen attackierte Andrea Orcel, CEO der Mailänder Großbank UniCredit, im April 2026 das traditionsreiche Frankfurter Geldhaus. Die Aussagen erschienen unter anderem in Anzeigen auf LinkedIn.
Die Rüge der BaFin folgte prompt: Eine „Werbeanzeige in reißerischer und unsachlicher Aufmachung“ sei das.

Am 24. April verbot die Behörde, im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot Aussagen zu verbreiten, die die gegenwärtige wirtschaftliche Lage oder Zukunftschancen der Commerzbank reißerisch oder unsachlich negativ darstellen. Bei einem Verstoß droht ein Bußgeld. Orcel löschte daraufhin seine LinkedIn-Beiträge.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz bezog Stellung: „Feindliches und aggressives Vorgehen lehnen wir entschieden ab“, sagte er am 7. Mai 2026 beim IHK-Tag in Berlin. Zu diesem Zeitpunkt war der Übernahmekampf bereits in vollem Gang. UniCredit hatte seit September 2024 nach und nach Commerzbank-Aktien erworben und sich über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere Anteile gesichert – gegen den Widerstand der Bundesregierung, des Commerzbank-Managements und der Arbeitnehmervertreter.

Ein außergewöhnlicher Kampf

Feindliche Übernahmen sind selten. Entsprechend groß ist die öffentliche Aufmerksamkeit, wenn ein Unternehmen einen solchen Deal anstrebt. Ein prominentes Beispiel ist die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone um die Jahrtausendwende, bei der beide Seiten mit harten Bandagen rangen.

Trotz mancher Parallelen ist der Fall UniCredit/ Commerzbank außergewöhnlich. Erstens sind Übernahmen im Finanzsektor noch seltener als in anderen Branchen, weil Banken für die Gesamtwirtschaft eine zentrale Rolle spielen. Das Management und die Arbeitnehmervertreter der Commerzbank fürchten vor allem um das Mittelstandsgeschäft.

Zweitens gibt es hierzulande neben der Deutschen Bank nur noch wenige große private Universalbanken. Die HypoVereinsbank, ein Institut ähnlicher Größe wie die Commerzbank, wurde bereits 2005 von UniCredit übernommen.

Drittens: Nach der Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise war der Bund ab 2009 lange Zeit größter Einzelaktionär. Im September 2024 verkaufte er ein Paket von 4,49 Prozent an UniCredit. Seitdem hält er noch rund zwölf Prozent und ist hinter UniCredit zweitgrößter Einzelaktionär. Damit entstand ein ungewöhnlich breites kommunikatives Spielfeld: […]


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