Goldene Zeiten

Es wäre verfehlt, den Qualitätsjournalismus zu Grabe zu tragen. In Zeiten von Fake News und Hassbotschaften sind journalistisch anspruchsvolle Nachrichten gefragter denn je, meint Daniel Schäfer, Partner bei Finsbury Glover Hering und davor Wirtschaftsjournalist bei Handelsblatt, Financial Times und FAZ sowie zuletzt Deutschland- Bürochef von Bloomberg.

Illustration: Goga/Adobe Stock

Es waren markige Worte: „Die Medien sind bedingt abwehrbereit, wirtschaftlich geschwächt, personell ausgedünnt, von purem Kostendenken durchzogen.“ So beschrieb ein Wirtschaftsmagazin schon im Jahr 2007 den Zustand der deutschen Medienlandschaft, gipfelnd in der Frage: „Hat der Qualitätsjournalismus, der glaubwürdig informieren und analysieren soll, ausgedient?“

Heute, 15 Jahre später, hört man derartige Klagen über den Zustand der Medien noch viel häufiger. Schließlich wurde so manche Redaktion ausgedünnt, das Anzeigengeschäft ist größtenteils ins Internet abgewandert, und die Printauflagen sinken rapide.

Das alles sind reale Trends. Und dennoch wäre es verfehlt, den Qualitätsjournalismus zu Grabe zu tragen. Ganz im Gegenteil: In Zeiten von Fake News und polarisierenden Hassbotschaften sind tiefgehend recherchierte und journalistisch anspruchsvolle Nachrichten gefragter denn je.

„Nicht alle traditionellen Medien werden den Wandel schaffen. Doch ebenso klar ist: Der Qualitätsjournalismus hat auch im digitalen Zeitalter eine glänzende Zukunft.“
Daniel Schäfer

Fünf Gründe, warum der Qualitätsjournalismus nicht ausgedient hat, sondern sogar eine glänzende Zukunft vor sich hat:

1 – Es sind Profis am Werk

Der Journalismus hat sich in den vergangenen Dekaden professionalisiert. Der Berufsalltag von Reportern ist fokussierter, disziplinierter und in mancherlei Hinsicht unabhängiger geworden. Was viele Bereiche der täglichen Arbeit betrifft, lässt sich am besten anhand von zwei konkreten Bei- spielen illustrieren: dem Umgang mit Unternehmenszuwendungen und dem Verhältnis zum Leser.


Stichwort Unternehmen: In den vergangenen zehn Jahren sind Redaktionsmanager deutlich sensibler geworden, wenn es um den Verdacht der Käuflichkeit geht. Noch vor 15 Jahren war es üblich, dass sich Wirtschaftsjournalisten von Unternehmen auf eine einwöchige Pressereise in die USA einladen ließen, Business-Class- Flüge sowie Premium-Hotels inklusive. Als Dank gab es meist einen langen Rechtfertigungsartikel etwa über eine Werkseröffnung, deren Nachrichtenwert ohne diese Reise als zweifelhaft angesehen worden wäre. Ebenso häufig gab es teure Geschenke bei Bilanzpressekonferenzen und ähnlichen Veranstaltungen. Das alles ist nicht gänzlich, aber doch größtenteils verschwunden – ein längst überfälliger Wandel in einer Branche, die unter anderem gern über Korruptionsskandale in Wirtschaft und Politik schreibt.

Auch im Verhältnis zum Leser hat sich der Journalismus professionalisiert. Früher glaubten Medienschaffende zu wissen, welche Themen die Käufer ihrer Zeitungen und Magazine in welcher Detailtiefe und zu welcher Zeit lesen wollen. Heute wissen sie es dank moderner Datenanalyse wirklich und in Echtzeit.

In Zukunft wird der Computer nicht nur analysieren, sondern auch einfache, standardisierte Texte schreiben. Schon heute kann er Börsenberichte formulieren und dadurch dem Reporter mehr Freiraum für zeitaufwendige Tätigkeiten wie intensive Recherchen verschaffen.

2 – Es gibt sie noch, die jungen Talente

Womit wir zur zweiten These kommen: Der Beruf des Journalisten ist nach wie vor attraktiv, und er lockt junge, gut ausgebildete Talente an. Anders als vielfach behauptet, blutet der Journalismus personell nicht aus. […]

Dieser Text ist ein Auszug. Den kompletten Standpunkt lesen Sie in der prmagazin-Ausgabe Januar 2022.