Chiara Baroni, Basak Tezcan, Ali Azimi, Byung-Hun Park – vier Kommunikationsprofis, die es ganz nach oben geschafft haben. Manager mit Migrationsbiografie sind in der deutschen PR-Branche nach wie vor die Ausnahme. Am prmagazin-Online- Roundtable diskutierten die vier, warum es hierzulande an kultureller Diversität fehlt – und was es braucht, um das zu ändern.

prmagazin: Zu Beginn eine Frage in die ganze Runde: Wie oft wurden Sie in Vorstellungsgesprächen schon gefragt, ob Ihr Sprachniveau für den Job ausreicht?
Basak Tezcan: Mir ist das zwar noch nie im Bewerbungsgespräch passiert, aber ich musste oft erklären, dass ich Deutsch spreche, weil ich für den Markt hier zuständig bin. Es gibt einen Reflex bei vielen: Sie nehmen an, jemand mit meinem Namen und Aussehen kann nicht deutsch sozialisiert sein.
Chiara Baroni: Ich sehe zwar ziemlich deutsch aus, bin groß und blond, aber sobald ich den Mund aufmache, hört man meinen Akzent. Also bekomme ich diese Frage immer. Ich bin – glaube ich – in der Runde die Einzige, die Deutsch nicht als Erstsprache erlernt hat. Ich habe in Italien Deutsch in der Schule gelernt, deshalb ist mein Deutsch sehr gut, aber ich bin nicht bilingual aufgewachsen.

War das in Ihrer PR-Karriere ein Hindernis?
Chiara Baroni: Eine frühere Chefin hat mir einmal ins Gesicht gesagt, dass ich es dadurch nicht in die deutsche Kommunikationsbranche schaffen würde. Aber das hat mich wirklich dazu gebracht, mich umso mehr anzustrengen. Auch Muttersprachler machen schließlich Fehler, man muss ohnehin mit Vieraugenprinzip arbeiten. Ehrlicherweise sind meine Texte manchmal sogar besser als die einiger deutscher Kolleginnen und Kollegen.
Byung-Hun Park: Ich habe den größten Respekt vor Chiara. Deutsch ist eine so undankbare Sprache. Der kleinste Fehler entlarvt einen als Nicht-Muttersprachler. Du musst nur einen Artikel verwechseln.
Ist perfektes Deutsch in der Kommunikation überhaupt noch wichtig?
Basak Tezcan: Nein. Dass man eine Pressemitteilung ohne Rechtschreibfehler schreiben kann, qualifiziert einen noch lange nicht für den Job. In der Kommunikation geht es um das Sensibilisieren von Menschen für andere Perspektiven. Bei meinem Arbeitgeber Shein bin ich die Deutsche, denn es ist ein extrem internationales Unternehmen. Meine Kollegen fragen mich immer wieder: Du kennst das Land, Du kennst die Kultur. Was können wir tun, um besser zu erklären, wer wir sind und was wir machen?
Frau Baroni, Sie kennen zwei Kulturkreise. Waren Sie schon einmal die Italienerin, die Italien für die Deutschen übersetzt hat oder umgekehrt?
Chiara Baroni: Ganz am Anfang habe ich mal anderthalb Jahre für eine italienische Agentur gearbeitet, die eine Niederlassung in Deutschland hatte. Das war meine zweite Station. Aber spätestens danach war mir klar: Das will ich nicht. Ich möchte nicht in dieser deutsch-italienischen Nische arbeiten, obwohl mir das natürlich mehrmals vorgeschlagen wurde. Ich kenne das so von vielen italienischen Freunden, nach dem Motto: Ich mache PR für Italien in Deutschland. Sicher spannend, aber nichts für mich.
Ich nehme an, Sie alle erleben immer wieder diskriminierende Situationen. Welche? Und wie gehen Sie damit um?
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