Diener zweier Marken

Peter Wunner leitet seit gut zwei Jahren beim Pharmaunternehmen Teva die Kommunikation für Deutschland. Das israelische Unternehmen ist hierzulande praktisch unbekannt. Die Teva-Marke ratiopharm, die Wunner mitbetreut, überstrahlt alles.

(Foto: prmagazin/Alexander von Spreti)

Teva? Wer den Namen googelt, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei den Trekking-Sandalen des US-Unternehmens Deckers Outdoor Corporation. Unter der Adresse teva.com finden sich jedenfalls keine Migränemittel oder Inhalatoren gegen die chronische Lungenkrankheit COPD, sondern rutschfeste Pantoletten mit bunten Nylonriemen. Wer das Pharmaunternehmen sucht, muss teva.de oder tevapharm.com in den Browser tippen.

Peter Wunner lacht. Er weiß natürlich von dem Problem. „Teva kannte vor allem anfangs keine Menschenseele“, sagt er. Dabei sei das Unternehmen einer der Top-20-Pharmakonzerne weltweit, helfe jeden Tag rund 200 Millionen Patienten, gesund zu werden. Wenig erklärungsbedürftig dagegen ist ratiopharm. 97 Prozent der Deutschen kennen das Unternehmen Presseberichten zufolge. ratiopharm gehört demnach zu den fünf wichtigsten Marken in Deutschland. Seit März 2010 ist der deutsche Generikahersteller Teil des israelischen Teva-Konzerns.

Der leutselige Münchner Peter Wunner, der während des Gesprächs mit dem prmagazin fast durchgängig ein Lächeln auf den Lippen hat, ist seit zwei Jahren Teva-Kommunikationschef für Deutschland. Selbst in der Deutschland-Zentrale in Ulm hat sich der Firmenname Teva gut 14 Jahre nach der Übernahme noch nicht vollständig durchgesetzt. „Manchem rutscht immer noch ratiopharm raus“, sagt Simone Dürmuth, Lokalredakteurin bei der Südwest Presse. „Sogar langjährigen Mitarbeitern und Leuten aus dem mittleren Management.“ Letzteres bestreitet Peter Wunner zwar, betont, dass sich die Marke „mehr und mehr“ etabliere – aber was soll er auch sonst sagen? „Die enorme Markenbekanntheit von ratiopharm ist schon seit Jahrzehnten fest verwurzelt hier“, gibt er schließlich zu. „Das ist doch klar.“

2021, als sich ein Headhunter im Auftrag von Teva bei Wunner meldete, standen die Zeichen auf Transformation. In den 2010er Jahren waren Restrukturierungsprogramme über den Konzern hinweggefegt, Teva machte zeitweise Milliardenverluste, auch wenn sich das auf die deutsche Tochter nicht ganz so dramatisch auswirkte. Hinzu kamen Schadenersatzklagen in den USA, die Teva hohe Vergleichszahlungen kosteten. Das Unternehmen musste einen enormen Schuldenberg abtragen.

Überzeugen ließ sich Wunner von Deutschland-CEO Andreas Burkhardt, vom Unternehmen – und von der Branche. „Pharma“, sagt Wunner, „wollte ich schon lange mal machen.“ Er ist fasziniert von dem Thema („Ich bin bekennender Hypochonder“), hatte früher bereits versucht, in dem Segment Fuß zu fassen, ohne Erfolg.

Sein Vorgänger an der Teva-Kommunikationsspitze, Markus Braun, war schon fast ein Jahr nicht mehr an Bord, als Wunner den Job im Januar 2022 antrat. Seit dem großen ratiopharm-Skandal im Jahr 2005 hatte das Unternehmen seine Kommunikation auf ein Mindestmaß heruntergefahren. Das Magazin stern hatte damals aufgedeckt, dass der Generikahersteller versucht haben soll, Ärzte systematisch mit Geschenken zu bestechen. „Es galt das Credo: Wir sagen nur das Nötigste. Nichts sagen ist gut“, beschreibt Wunner die vorherrschende Haltung. Er hatte eine einzige Mitarbeiterin in der Kommunikation, die aber kurz nach seinem Amtsantritt in Rente ging. Immerhin durfte er auf diese Weise alles von Grund auf neu gestalten. „Das war das größte Geschenk, das ich überhaupt bekommen konnte“, sagt er.

Dazu kam ein zweiter Zufall, der ihm das Leben heute letztlich – „auch wenn das skurril klingt“ – leichter macht. […]


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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe September 2024.