Lars Rosumek hat die Kommunikation von E.ON durch CEO-Wechsel, Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiekrise gesteuert. Dabei half ihm, dass er ausgesprochen vorsichtig und bedacht vorgeht. Jetzt will er E.ON als „Spielmacher“ der Energiewende positionieren, mit Rückenwind aus Berlin.

Wenn Leonhard Birnbaum eine Rede hält, sitzt sein Kommunikator Lars Rosumek oft im Publikum und spricht stumm mit. Journalisten berichten, dass er spätestens nach jedem Satz bedächtig nickt. Darauf angesprochen, stutzt Rosumek kurz. „Ja, das kann schon sein“, sagt er schließlich. „Dieses Nicken ist typisch für mich, weil ich im Kopf durchgehe: An welchem Punkt der Rede sind wir gerade, und sind wir da, wo wir hinwollen?“ So etwa bei der Bilanzpressekonferenz Ende Februar, erinnert sich der schmale 1,88-Meter-Mann.
Die Szene, sagt ein Fachjournalist, zeige anschaulich, was für ein besonderes und mitunter auch kompliziertes Verhältnis der Kommunikationschef des Energieversorgers E.ON und sein CEO Leonhard Birnbaum haben. Rosumek war bereits ein gutes Jahr bei den Essenern – eingestellt hatte ihn noch CEO Johannes Teyssen –, als Birnbaum den Chefposten im Mai 2021 übernahm. Rosumek konnte sich trotz des Machtwechsels halten, und offenbar kommen die beiden gut miteinander aus, auch wenn die CEOs unterschiedlicher nicht sein könnten.
Während Teyssen als zurückhaltend, kontrolliert und sachlich gilt, suche „Leo“ Birnbaum den konstruktiven Disput in der Sache: „Er verbiegt sich nicht und tritt über den eigenen Tellerrand hinaus auch für das große Ganze ein“, sagt Rosumek, der selbst eher bedacht wirkt. Bei Teyssen ist zumindest fraglich, ob der sich auf LinkedIn eingelassen hätte – Birnbaum postet bisweilen impulsiv am eigenen Presseteam vorbei. Andere CEOs halten sich an Briefings – von Birnbaum heißt es, dass er Journalisten bei Presseterminen manchmal die offiziellen Unterlagen aus Rosumeks Team hinlegt und dazu sagt: „Hier steht alles drin, was Sie wissen müssen – aber alles Wichtige erzähle ich jetzt.“
Böse Zungen spekulieren, Rosumek nicke, weil er nie ganz sicher sein könne, dass sich der CEO und Ex-McKinsey-Berater an den Sprechzettel hält. Ob Birnbaum das „Good Cop, Bad Cop“-Spiel bewusst spielt? Kein Kommentar von Rosumek. Er selbst nicke, weil er die Inhalte durchgehe und sich freue, wenn Inhalte darin sind, die er gemeinsam mit Birnbaum entwickelt habe, so der Kommunikationschef. „Alles andere ist Ihre Interpretation.“
Sein alter Chef Johannes Teyssen hat einmal über Rosumek gesagt, er sei „noch kontrollierter“ als er selbst. Rosumek empfand das als Auszeichnung. „Sie können nur dann wirklich offensiv seinund auf Angriff spielen, wenn Sie wissen, dass hinten im Tor und in der Abwehr auch noch jemand ist“, sagt er. „Einer, der Ihnen im Zweifel einen Ball raushaut.“ Er glaubt, dass die meisten CEOs wissen: Das Kommunikationsteam ist eine Rückversicherungsfunktion für das Unternehmen.
Als Lars Rosumek 2020 vom Anlagenbauer Voith zu E.ON wechselte, kam er mitten hinein in die Übernahme der bisherigen RWE-Tochter innogy durch E.ON (siehe Titelstory 05/2021). Er hatte sich Großes vorgenommen: „Ich weiß noch, wie ich den Kolleginnen und Kollegen, die ich noch gar nicht kannte, damals zum Antritt gesagt habe, dass ich die Marke E.ON gemeinsam mit dem Team wieder zum Strahlen bringen will.“
Er baute die Kommunikation, die unter seiner Vorgängerin massiv geschrumpft war, neu auf und brachte die Abteilung in Form. Anfangs wollten Marketing und Kommunikation E.ON als treibende Kraft der Energiewende positionieren. […]

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