Wegen fauler Schiffskredite geriet die Nord/LB 2019 in eine schwere Krise – und war danach jahrelang mit sich selbst beschäftigt. Die Landesbank kämpfte sich durch Sanierung und Jobabbau – und stellte mit Tim Rehkopf die Kommunikation neu auf. Dessen nächste Mission lautet nun: die Abteilung auf eine neue Evolutionsstufe heben – und das Institut nach außen sichtbarer machen.

Tim Rehkopf hält kurz inne und lächelt. „Ich spreche zu schnell, oder?“ Ihm sei das bewusst, aber er könne nicht anders, sagt der Leiter Group Communications & Research der Nord/LB. Der Fahrstuhl im elften Stock des Glasgebäudes gleitet rasant nach unten. Wer schon mit Landesbanken zu tun hatte, weiß: In diesen Instituten gehen die Uhren zuweilen anders.
Doch bei der Nord/LB scheinen sich die Zeiger überraschenderweise schnell zu drehen. Auf den Gängen: junge Menschen, viele in eisblauen Hoodies mit Firmenlogo, der Altersdurchschnitt der Belegschaft kratzt gerade so an der 40. CEO Jörg Frischholz benutzt im Gespräch wiederholt das Wort „cool“, um Projekte und Stimmungen zu beschreiben.
Vor sieben Jahren war die Lage hier noch anders, dramatisch anders. 2019 steckte die Bank tief in den roten Zahlen. Gescheiterte Schiffsfinanzierungen hatten das Haus in die Krise gestürzt. Stellen wurden abgebaut, die Stimmung war mies in der 17-stöckigen Unternehmenszentrale, die zu Zeiten der Expo 2000 in Hannover hochgezogen wurde.
Als Jörg Frischholz Anfang 2022 CEO Thomas Bürkle ablöst, ist die Sanierung in vollem Gang. Die Bank wird verkleinert und risikoärmer aufgestellt. Statt auf Flugzeug- und Schiffskredite setzt sie heute vornehmlich auf die Finanzierung von Erneuerbaren Energien, Batteriespeichern, Infrastruktur- und Firmenkundenprojekten.
Ende 2023, die neue Spitze hatte den Erholungskurs inzwischen vorangetrieben, holt Frischholz Tim Rehkopf als Kommunikationschef. Seine Vorgängerin Gabriele Bödeker geht in den Vorruhestand. Gleichzeitig zieht der CEO die Unternehmenskommunikation in seine direkte Berichtslinie. Zuvor war die Funktion in der Unternehmensentwicklung verankert.
Im Dezember 2023 fängt Rehkopf in der niedersächsischen Hauptstadt an. „Ich habe mich darauf gefreut, da richtig viel bewegen zu können“, sagt er rückblickend. Er findet ein Team vor, das jahrelang im Krisenmodus gearbeitet hat und von über 20 auf elf Mitarbeitende geschrumpft ist. Newsroom? Integrierte Kommunikation? Was anderswo seit Jahren State of the Art ist, gibt es hier nicht.
Rehkopf, zuvor in zweiter Reihe in der Kommunikation der Deutschen Bank, muss den Bereich grundlegend aufräumen und aufwerten. „In den Jahren der Transformation war die Kommunikation der Nord/LB eher reaktiv ausgerichtet“, sagt CEO Jörg Frischholz, der das prmagazin in seinem Büro mit Blick auf Hannover zum Gespräch empfängt. „Aber ich schätze die strategische Bedeutung von Kommunikation. Mir war schnell klar, dass hier etwas passieren muss.“
Mit Tim – in der Nord/LB herrscht heute DuzKultur – sei er sich schnell einig geworden: Bevor man größere externe Kampagnen startet, muss im Innern der Bank etwas passieren. „Wir brauchten einen neuen Spirit. Unsere Mitarbeitenden mussten erst einmal zu Selbstbewusstsein und Identifikation zurückfinden“, sagt Frischholz. Rehkopf verliert keine Zeit. […]

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