Eine Handvoll Profis

PR im Webmuster
Berater statt Techniker
Viel mehr als Kommunikation

Thomas Rommerskirchen, Chefredakteur prmagazin

Politiker reagieren inzwischen schon sehr routiniert, wenn etwas blöd gelaufen ist. Wenn man auf dem Holzweg war und öffentlich Prügel kassiert. Es lag halt an der Kommunikation. Das klassische Sorry, war nicht so gemeint, und weiter geht’s.

Das ist eine billige Taktik, die nicht mehr lange akzeptiert werden wird. Die hässlichen Konsequenzen zeigen sich bei den erstarkenden Radikalen, links wie rechts. Der Politikverdruss, das rapide sinkende Vertrauen in politische Institutionen und Personen hat genau da seinen Ursprung. Blöde regiert – nee, nur nicht richtig kommuniziert. Und die Politik-Elite arbeitet immer weiter an der Manipulation durch Kommunikation, bis es richtig kracht.

Zwei CEOs, Oliver Blume und Christian Kullmann, haben gerade in Interviews (Handelsblatt und Spiegel) das Gegenteil von geschliffener Kommunikationstechnik hingelegt. Ob das nun Blumes deutliche Positionierung in dem erratischen Spiel mit US-Zöllen ist oder Kullmanns radikale Einordnung grundsätzlicher Fragen unseres Wertekanons: Das war klare Kante gegen das bequeme Wegkommunizieren von Krisen, die wir durch realitätsferne Überzeugungstäter geschaffen haben.

Und genau da liegt der Unterschied. Blume und Kullmann wollten nicht perfekt kommunizieren. Sie haben mutig und eindeutig Stellung bezogen, ohne die vorbeiwehende Resonanz auf den Online-Plattformen im Visier zu haben. Das schafft selbst unser Bundeskanzler nicht. Möglicherweise, weil er sich auf bequeme Kommunikationsexperten verlässt, die Public Relations für eine positive Medienauswertung halten.

Unsere Branche verabschiedet sich von dem Anspruch, nachhaltige Strategien zu generieren und konsequent für gemeinsame, gesellschaftsrelevante Ziele einzustehen. Es ist ja auch einfach geworden, Realität zu generieren. Man darf nur nicht vergessen, dass diese dann eben viral ist und bei realer Belastung platzt.

Nicht zu Unrecht sorgen sich seit einiger Zeit viele qualifizierte Kommunikatoren um ihren Job. Die KI liefert fast perfekte Analysen, Strategien und Empfehlungen. Mit gut trainierten Assistenten braucht man wirklich nur noch eine Handvoll souveräner Berater und den Entscheider mit Mut und Konsequenz.

Der Vorteil für diese Berater könnte das Ende der Political Correctness, der Compliance und der permanenten Adaption von politisch angesagten Strömungen sein. Auch würden fehlleitende Entscheidungen in Vorständen, Kommissionen und Regierungen nicht mehr so unbekümmert durchgewunken, wenn man erkennt, dass man zwar nahezu alles kommunizieren kann, damit aber noch lange keinen PR-Erfolg erzielt.

Mail an den Chefredakteur: roki(at)rommerskirchen.com



Möchten Sie ein Jahres- oder Probeabo abschließen oder ein Einzelheft bestellen? Hier geht’s zum prmagazin-Shop.