Der Chipflüsterer

Ob Stromchips für E-Autos, Wärmepumpen oder KI-Rechenzentren: Der Halbleiterkonzern Infineon ist überall – aber meist unsichtbar. Florian Martens, seit März 2024 Kommunikationschef in Neubiberg bei München, setzt auf die Macht der Bilder und Künstliche Intelligenz. So will er Stakeholdern das sperrige B2B-Geschäft nahebringen.

(Foto: prmagazin/Alexander von Spreti)

Neben der S-Bahn-Haltestelle Fasanenpark in Neubiberg bei München liegt ein weitläufiges Gelände, das „Campeon“ heißt: dreigeschossige Bürobauten, dazwischen Wiesen, Teiche und von Schilfgras gesäumte Fußwege. Der Campus des Halbleiterherstellers Infineon erinnert an das Gelände einer Silicon-Valley-Firma. Für die hochbezahlten Tech-Spezialisten, die hier arbeiten – viele davon aus Übersee – gibt es unter anderem einen eigenen Supermarkt, eine Bäckerei und ein italienisches Restaurant, das „Limoni“.

Woran die Menschen hier arbeiten, zeigt die Produktausstellung am Empfang. Zu sehen sind Steuergeräte auf dem Antriebsstrang eines Elektroautos und kleine Chipgehäuse neben großen Magnetspulen, die in Wärmepumpen verbaut werden. Außerdem „Wafer“, runde Scheiben aus verschiedenen Legierungen, aus denen die Industrie Halbleiter sägt. Sie glitzern vielfarbig in den Vitrinen.

An den Wänden dahinter prangt das Key Visual von Infineon: ein Blatt, das sich in Pixel auflöst. Es soll den Purpose des Unternehmens symbolisieren, der ausformuliert sehr umständlich klingt: „Driving Decarbonization and Digitalization. Together“. Der Slogan spielt unter anderem darauf an, dass Infineon ein führender Hersteller von Halbleitern ist, die die Digitalisierung und Dekarbonisierung bei seinen Kunden ermöglichen, darunter auch Leistungshalbleiter, die – vereinfacht gesagt – Stromflüsse offenbar besonders effizient steuern.

Dass Infineon so weit ausholen muss, um seinen Purpose verständlich zu machen, steht für das Kernproblem der Außendarstellung. Die Materie ist erklärungsbedürftig. In modernen Halbleitern ist hochkomplexe Physik am Werk. Florian Martens, der die Kommunikation seit anderthalb Jahren leitet, behauptet von sich, er verstehe die physikalischen und chemischen Zusammenhänge zumindest ansatzweise – „soweit mein Gehirn dazu imstande ist“, wie er schmunzelnd anügt. Infineon ist Zulieferer und verkauft direkt an Buderus, BMW oder Bosch. Martens’ Zielgruppe sind folglich Einkäufer, Entwickler, Politiker und Regulatoren, Journalisten und NGOs sowie potenzielle Mitarbeiter.

Die Produkte der Münchner sind allgegenwärtig – und zugleich unsichtbar. „Mikroelektronik ist essenziell für alles in der heutigen Gesellschaft und Wirtschaft“, sagt Martens. Ob Waschmaschine oder Fernseher, Kernspintomograf oder Smart-HomeThermostat, KI-Server oder Drahtloskopfhörer mit integriertem Akku: „All das ist nur möglich durch Halbleiter.“

Als das Unternehmen 2023 bei dem heute 47-Jährigen anfragte, hatte er „einen äußerst interessanten Job“ bei Siemens, wie er sagt. Seit vier Jahren verantwortete er dort globale Medienarbeit, Executive Communications und Thought Leadership, war dafür nach München zurückgekehrt und Teil einer umfassenden Transformationsaufgabe in der Kommunikation. Bei Infineon war die Stelle vakant, weil Kommunikationschef Bernd Hops gekündigt hatte, um zu ams Osram zu wechseln.

Martens spürte schon in den ersten Gesprächen, dass sich auch Infineon in einem Transformationsprozess befand. […]


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