Früher oft Quelle billiger Arbeitskraft,erleben Volontariate und Traineeships derzeit einen Wandel. Doch der Markt bleibt uneinheitlich, denn klare Standards fehlen – und nicht alle Unternehmen und Agenturen haben Ressourcen für umfangreiche Curricula. Nachwuchstalente sollten deshalb genau hinschauen.

Kaffee kochen, wenig Lohn, arbeiten bis Mitternacht. So oder ähnlich erinnern sich viele Kommunikationsprofis an ihr Volontariat – insbesondere, wenn es schon länger zurückliegt. Volontäre wurden früher gern als billige Arbeitskräfte betrachtet. „Vor 15 oder 20 Jahren hat man die Leute in einem Volontariat höchstens auf die Arbeit im eigenen Unternehmen vorbereitet“, sagt Nicolas Kunkel, der seit vielen Jahren als Talentscout und -förderer in der Branche aktiv ist. Echte Ausbildung sieht anders aus.
Kunkel hat vor fünf Jahren gemeinsam mit zwei Bayer-Volontärinnen die Nachwuchsinitiative YoungMinds4Comms (YM4C) gegründet, deren Medienpartner das prmagazin seit 2021 ist. Er beobachtet inzwischen ein Umdenken in den Unternehmen – einhergehend mit der generellen Professionalisierung der Branche und zusätzlich getrieben vom Fachkräftemangel. „Viele Nachwuchskräfte beenden ihre Ausbildung heute mit einem umfangreichen Werkzeugkasten und einem guten Netzwerk für ihre weitere Karriere“, sagt er.
Kunkels Beobachtung deckt sich mit dem Ergebnis einer Umfrage, für die das prmagazin gemeinsam mit YM4C 25 Unternehmen und Agenturen zu ihren Volo- und Traineeprogrammen befragt hat. Die meisten von ihnen schreiben demnach regelmäßig Volontariate und Trainee-Stellen mit einem thematisch breiten, klar definierten Curriculum aus.
Damit ist schon viel gewonnen, findet Kunkel: „Wer breit ausbildet, die Leute über den Tellerrand blicken lässt, interne und externe Fortbildungen anbietet und bei all dem einem weitgehend verbindlichen und festen Curriculum folgt, der dürfte schon viele wichtige Voraussetzungen erfüllen.“
Zu den Vorreitern in Sachen Nachwuchsausbildung zählt sich Bertelsmann. Der Medienkonzern bietet neuerdings zwei Volontariate in der Kommunikation: eins ohne speziellen Schwerpunkt, das zweite, das in diesem Jahr zum ersten Mal ausgeschrieben wurde, mit dem Fokus auf Finanzkommunikation. Beide Ausbildungen dauern zwei Jahre und ermöglichen den Stelleninhabern Einblicke in verschiedene Aufgaben, Themen und Abteilungen.
Außer den Bereichen „Platforms & Campaign“ durchlaufen sie – je nach Neigung – auch die Abteilungen Public Affairs und Corporate History. Darüber hinaus können sie eine Zeitlang in den Kommunikationsabteilungen von Tochterunternehmen arbeiten und Weiterbildungen bei der Deutschen Akademie für Public Relations (DAPR) besuchen.
„Eigene Volontariatsprogramme anzubieten, um den Bedarf an qualifizierten Mitarbeitenden selbst decken zu können, wird unserer Einschätzung nach immer wichtiger“, sagt Bertelsmann-Sprecher Markus Harbaum. „Je größer die Nachfrage nach Top-Nachwuchskräften wird, desto wichtiger ist die eigene Ausbildung und frühzeitige Bindung.“
Dass Arbeitgeber unter Zugzwang stehen, bestätigt Nils Hille, Geschäftsführer der Deutschen Akademie für Public Relations: […]

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