Börsen-Versteherin

In ihren knapp sieben Jahren beim Medienunternehmen ProSiebenSat.1 hat Stefanie Rupp-Menedetter schon mehr erlebt als andere Kommunikatoren in ihrem ganzen Berufsleben: drei Sparrunden, fünf CEOs – und zuletzt die Gefahr der Konzernaufspaltung durch den Berlusconi-Konzern MediaForEurope.

(Foto: Alexander von Spreti)

Als die Österreichische Post Mitte der Nullerjahre Filialen schloss, leitete Stefanie Rupp-Menedetter dort die interne Kommunikation. Eines Tages beschwerte sich ihre Großmutter bei ihr: Auch in deren Wohnort sollte die Postfiliale schließen, das hatten ihr Freundinnen erzählt. Die Oma fand das gar nicht gut, erinnert sich Rupp-Menedetter.

Also erklärte die Enkelin ihr die Hintergründe. Die Argumente hatte Rupp-Menedetter zur Vorbereitung des Schließungsprogramms verinnerlicht, schließlich wurden viele Filialen im Land zugemacht. Als sie mit ihrer Erklärung fertig war, sagte die Großmutter: „Schau, jetzt habe ich das verstanden.“ Und erzählte auch ihren Freundinnen bei der nächsten Kartenrunde davon. Das fand Rupp-Menedetter toll, erinnert sie sich, „dass ich meine Großmutter davon überzeugt habe“.

Es sind die vielen verschiedenen Perspektiven, die Stefanie Rupp-Menedetter an Kommunikation reizen. Oder genauer: die sie an der Kommunikation für ein börsennotiertes Unternehmen reizen. Sie findet es spannend, Klein- wie Großaktionäre als Zielgruppen zu bedienen und komplexe Finanzthemen verständlich und transparent zu erklären.

Während diese Zeilen geschrieben wurden, konnte die 43-Jährige ihre Leidenschaft gerade voll auskosten. Am 21. März hatte der größte Anteilseigner der ProSiebenSat.1 Media SE, das italienische Medienunternehmen MediaForEurope (MFE) unter Führung der Familie von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, seine Forderungen für die anstehende Hauptversammlung eingereicht.

Und die hatten es in sich: Die Italiener forderten unter anderem die Aufspaltung von ProSiebenSat.1 und eine Neubesetzung des Aufsichtsrats mit von ihnen vorgeschlagenen Kandidaten. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hatten sie sich zudem eine mögliche Übernahme schon einmal von der Bank durchrechnen lassen.

Das Thema beschäftigte Rupp-Menedetter von da an bis zu 16 Stunden am Tag, erzählt sie, auch an den Wochenenden. Bei der Hauptversammlung Ende April verfehlte MFE zwar knapp die nötige Stimmenzahl für die Aufspaltung, konnte aber eigene Aufsichtsräte durchsetzen. Das Gespräch mit dem prmagazin in Unterföhring fand statt, kurz bevor die Interessen der Italiener bekannt wurden. […]


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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe Mai 2024.