Alles oder Nichts

Katharina Agüera ist aus der traditionellen Konzernwelt ausgestiegen und sitzt seit Februar 2023 im Kommunikations-Cockpit von Volocopter. Der 2011 gegründete Flugtaxi-Hersteller hat bis heute kein einziges Modell verkauft – und wenn die Zulassung ausbleibt, steht das Unternehmen vor dem Aus. Keine einfachen Bedingungen für hochfliegende Kommunikationspläne. Doch Agüeras Team ist voller Optimismus.

(Foto: prmagazin/Fernando Baptista)

Warum bist du hier?“ Das waren die ersten Worte, die Katharina Agüera an ihrem ersten Arbeitstag bei Volocopter von ihrem neuen Team zu hören bekam. Im Februar 2023 startete sie bei dem Flugtaxihersteller als Director Communications, Public & Regulatory Affairs. „Das war schon hart“, sagt sie rückblickend. Aber sie konnte die Frage auch verstehen. „Ich bin vom großen Konzern, von Siemens Energy, zum Start-up Volocopter gekommen. Aus Sicht der Kollegen war ich erst mal eine überflüssige Position.“ Einen Vorgänger gab es nicht, ihre Position wurde damals neu geschaffen.

Letztlich war sie froh, dass ihr Team die Warum-Frage als erste gestellt hat. „So hatte ich direkt die Möglichkeit, die neue Rolle zu erklären. Das Team hat alle Bedenken offen adressiert und nicht hinter meinem Rücken getuschelt“, sagt sie. Diese Offenheit ist der 46-Jährigen wichtig. Das zeigt sich auch im Teamgespräch mit dem prmagazin. Agüera nimmt kein Blatt vor den Mund, antwortet intuitiv und spontan, drängt sich dabei aber nicht in den Vordergrund.

Letzteres hat sie auch für den Job bei Volocopter nicht getan. Auf den Posten hat sie sich nicht selbst beworben, sondern im Januar 2023 rief Dirk Hoke sie an, der Chief Executive Officer von Volocopter. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Jahren bei Airbus. Bei dem Flugzeugbauer war Agüera damals Head of Digital Content Strategy and Planning Communications, Hoke war CEO des Defence-Bereichs, mit dem Agüera eng zusammenarbeitete. Also fragte der Manager sie: Willst du nicht zu uns kommen?

Was Hoke zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Der Anruf kam für Agüera genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie hatte kurz davor ihren Job bei Siemens Energy gekündigt und wollte etwas Neues wagen. Bei der Siemens-Abspaltung war sie Head of Story Cockpit, Planning, Analytics, Digital Communication. Sie hatte einen Newsroom eingeführt und die Kommunikation datengetriebener gemacht.

Ein spannender Job – doch dann kamen die Zweifel. „Vielleicht war ich rückblickend in einer Art Midlife-Crisis“, sagt Agüera nachdenklich. „Ich habe mich gefragt: Ich bin jetzt Mitte 40 und habe in allen Kommunikationsbereichen gearbeitet – was mache ich jetzt damit die nächsten 20 Jahre? Soll es das gewesen sein?“ Hokes Offerte kam also wie gerufen. Den normalen Recruiting-Prozess musste sie trotzdem durchlaufen, sagt Agüera.

Für das Kommunikationsteam von Volocopter war sie bei ihrem Start „die von Corporate“ – für Agüera selbst war der Job der Aufbruch in ein neues Abenteuer. Die gebürtige Augsburgerin war zurück in ihrer Lieblingsbranche Luftfahrt – und zum ersten Mal bei einem Start-up. All die Jahre zuvor hatte sie in internationalen Konzernen mit großen Kommunikationsteams gearbeitet. Jetzt hatte sie gerade mal vier Leute vor sich sitzen – für ein Start-up schon recht viel.

Rein rechnerisch ist Volocopter 13 Jahre nach seiner Gründung indes längst kein Start-up mehr. […]

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe August 2024.