„Wie Donald Trump oder AfD“

3 Fragen an Gerald Selch, Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, zum Streit mit dem Erzbistum Köln.

Offener Brief von Frank Hüppelshäuser, Amtsleiter des Erzbistums Köln.

prmagazin: Das Erzbistum Köln wirft Ihrem Chefkorrespondenten Joachim Frank „menschenverachtende“ Berichterstattung vor. Er hatte geschrieben, dass das Bistum Regenbogensymbole bei einer Schuleinweihung unterdrücken wollte. Wie erleben Sie in der Redaktion diesen Vorfall?

Gerald Selch: Mit ungläubigem Kopfschütteln. Die Vorwürfe – allesamt über die offiziellen Kommunikationskanäle des Erzbistums – sind nicht nur absurd, sondern auch gefährlich. Das Erzbistum folgt damit dem Muster der autoritären Diskursverschiebung, wie wir sie von Donald Trump oder der AfD kennen.

Gibt es Grenzen journalistischer Zuspitzung bei Akteuren wie dem Erzbistum?

In diesem Fall wurde nichts „zugespitzt“, sondern über Tatsachen berichtet. Das ist die Aufgabe einer freien, unabhängigen Presse. Meine Redaktion soll nie eine Schere im Kopf haben, in der Art: „Das ist doch die Kirche, da müssen wir vielleicht …, sonst könnte ja …“ Wir müssen das tun, was wir immer tun müssen: schreiben, was ist. Punkt.

Sie haben sich in einem offenen Brief vor Herrn Frank gestellt. Was haben Sie ihm geraten?

Joachim Frank ist ein erfahrener und vielfach ausgezeichneter Kollege. Aber solche persönlichen Angriffe gehen an niemandem spurlos vorbei. Umso wichtiger ist es, ruhig zu bleiben und mit aller Professionalität das zu tun, was man am besten kann: recherchieren und berichten. Wenn das Erzbistum eine negative Geschichte nach der anderen produziert, können und werden wir nicht einfach aufhören, darüber zu schreiben.



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