Weniger Pathos

Realitätssinn statt Heldenmythen: Andreas Kuhlmann, von 2015 bis 2023 dena-Chef und heute Geschäftsführer bei Christ & Company, fordert eine neue Ehrlichkeit in der Energiekommunikation. Der Auftrag an Politik und Wirtschaft: Vertrauen schaffen, Komplexität übersetzen, Narrative erneuern.

(Illustration: OpenAI/prmagazin)

Vor fünf, sechs Jahren schien noch al les ganz klar: Energiewende und Klimaschutz galten als dringliche Zukunftsprojekte – wirtschaftlich, technologisch, politisch und kommunikativ. Unternehmen überboten sich mit Klimazielen. Kampagnen, Nachhaltigkeitsberichte und PR-Offensiven verkündeten die neue Ernsthaftigkeit. Ursula von der Leyen pries den „European Green Deal“ als „Man on the Moon“-Moment.

Heute ist vieles davon einer neuen Nüchternheit gewichen. Klimaschutz und Energiewende verlieren an Priorität. Die wirtschaftlichen Realitäten sind rauer, die geopolitischen Rahmenbedingungen unsicherer, die öffentliche Debatte gespaltener. Unternehmen ziehen sich kommunikativ zurück, korrigieren Ziele nach unten oder meiden klare Aussagen. Aus Vertrauen wurde Vorsicht. Selbst Robert Habeck sagte zuletzt als Minister: „Klimapragmatismus ist das Gebot der Stunde.“

Diese Entwicklung ist nicht nur eine Herausforderung für die Energiewende selbst. Sie stellt auch die Kommunikation rund um Energie, Klima und Transformation auf die Probe. Und dabei geht es auch um die Reputation der vielen Unternehmen, die von dieser erforderlichen und unumkehrbaren Transformation betroffen sind. Denn die Art, wie wir über Wandel, aber eben auch über die Diskrepanz zwischen Worten und Taten sprechen, entscheidet über das Gelingen des Vorhabens und das Vertrauen in die Akteure, auf die es ankommt.

Aus meiner Zeit als Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena) kenne ich beide Seiten: die politisch-strategische Ebene, auf der Ziele definiert und Maßnahmenpakete geschnürt werden – und die operative Wirklichkeit, in der Umsetzung oft auf Widerstände, Überforderung oder mangelnde Anschlussfähigkeit trifft.
Diese Lücke zwischen Plan und Realität wurde lange Zeit kommunikativ überdeckt […]


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