Als Kommunikationschef der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände muss Benjamin Rohrer viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen. Seit seinem Antritt im April 2023 zeigt sich der Verband kampfbereiter als früher. Bei vielen Standesvertretern scheint der Strategiewechsel gut anzukommen.

In weißen Kitteln kamen die Apothekerinnen und Apotheker nach Berlin. „Apotheken kaputtsparen? Mit uns nicht!“ stand auf ihren Plakaten. Oder: „Die hard – Pharmacists fight back“. So zogen sie Mitte Juni 2023 vom Potsdamer Platz bis zum Invalidenpark nahe dem Bundeswirtschaftsministerium. Dort sprach ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening zu den Protestierenden.
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ruft als Spitzenorganisation nicht selbst zu solchen Demonstrationen auf, hilft aber bei der Umsetzung. „Während der Proteste waren die Apothekerinnen und Apotheker unheimlich zufrieden mit uns. In dieser Zeit konnten sie uns als Standesvertretung deutlicher als sonst spüren, weil wir auch in der Öffentlichkeit für sie gekämpft haben“, sagt Benjamin Rohrer, der seit Mitte April 2023 die Stabsstelle Kommunikation der ABDA leitet.
So zufrieden ist die Apothekerschaft mit ihrem Verband nicht immer. Die Zeit nach den Protesten sei schwierig gewesen, sagt Rohrer. Im November 2023 folgte zwar ein weiterer Protestmonat mit Kundgebungen in verschiedenen Städten an jedem Mittwoch. Trotzdem waren viele Apotheker enttäuscht, weil die ABDA danach verstärkt auf politische Gespräche setzte und nicht einfach weiter protestierte.
„Die Frustration in den Apotheken ist unheimlich hoch“, sagt Rohrer. „Die Kosten steigen auf allen Seiten, aber ihre Vergütung wurde seit elf Jahren nicht erhöht, zuletzt wurde sie sogar gekürzt.“ Zudem fürchten sie die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplante Apothekenreform, nach der künftig nicht mehr nur Apotheker, sondern auch pharmazeutische Assistenzkräfte Medikamente über den Tresen reichen dürften.
Nur durch die Proteste sind wir wieder
Benjamin Rohrer
aufs Spielfeld gekommen. Vorher saßen wir auf der Ersatzbank – niemand sprach über die Apotheken.
Den Druck lassen sie oft bei der Standesvertretung ab. „Ich würde mir wünschen, dass die Apothekerinnen und Apotheker unsere Strategie dahinter verstehen“, sagt Rohrer. Die Proteste im vergangenen Jahr seien wichtig gewesen, um die Aufmerksamkeit der Gesellschaft und der Politik auf die Schieflage der Apotheken zu richten. „Nur dadurch sind wir wieder aufs Spielfeld gekommen. Vorher saßen wir auf der Ersatzbank – niemand sprach über die Apotheken. Jetzt sind wir aber auf dem Spielfeld und müssen die kommenden Reformen im politischen Dialog besprechen.“
Die Fußballmetapher passt zu Rohrer. Der gebürtige Berliner ist Fußballtrainer und spielt selbst in einer Ü35-Mannschaft. Hinter seinem Schreibtisch im fünften Stock des Apothekerhauses nahe dem Hauptbahnhof hängt ein Bild, das seine Mutter gemalt hat. Es zeigt das Berliner Olympiastadion voller Hertha-BSC-Fans. Rohrer ist Fan.
Als Kommunikationschef zeigt sich der 41-Jährige wehrhaft. „““Ich bin bereit, die Apothekerschaft gegen Angriffe zu verteidigen“, sagt er. „Das ist vielleicht auch ein bisschen die Fußballmentalität: Gerade für den Mannschaftsgeist ist es manchmal wichtig zu zeigen, dass man bereit ist zu verteidigen, wenn man angegriffen wird.“
Er sei sehr überzeugt von dem Berufsstand, sagt Rohrer. Seine Frau ist Intensivkrankenschwester, daran sehe er, wie wichtig Apotheker auch im Klinikalltag sind – für die ambulante Versorgung sowieso. „Wir alle wollen auf Apotheken vor Ort nicht verzichten“, sagt er, „und erst recht nicht auf Apothekerinnen und Apotheker.“
Ein Beispiel für Rohrers Kampfbeitschaft ist eine Nachwuchskampagne, die Ende Januar für Aufregung sorgte. […]

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