Julius van de Laar – bekannt als Kommentator in Print- und TV-Medien – hat in den US-Wahlkämpfen 2008 und 2012 für Barack Obama gearbeitet. Heute berät er politische Organisationen, NGOs und Unternehmen bei der Entwicklung von Kampagnen. Im Interview erklärt er, wie die Demokraten den Übergang von Joe Biden zu Kamala Harris nutzen und was deutsche Wahlkämpfer von ihren US-Kollegen lernen können.

prmagazin: Herr van de Laar, der Parteitag der US-Demokraten lief wie ein Uhrwerk. Hat die Partei jetzt eine Strategie gefunden, um Donald Trump zu schlagen?
Julius van de Laar: Ich war vor einem Monat auf dem Parteitag der Republikaner in Wisconsin [15.-18. Juli 2024; Anm. d. Red.]. Aus PR-Perspektive war auch das eine perfekt orchestrierte Show, alles hat gepasst. Jeder Tag hat auf den anderen aufgebaut, jede Botschaft hat zu Trump hingeführt, und die komplette Nation dachte, die Messe sei gelesen. Genau das gleich gilt auch für den Parteitag der Demokraten in Chicago – es war eine beeindruckende Show mit absoluten Megastars, die aber auch Ihren Preis hatte: 100 Millionen Dollar hat der Parteitag gekostet. Das Resultat: Nachdem die Demokraten in den Umfragen weit abgeschlagen waren, ist es nun wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Harris und Trump.
Also liegt es eigentlich am Momentum dieses Neuanfangs – das wäre dann ja nicht wirklich Strategie, sondern eher Zufall.
Kein Zweifel: Die Rochade von Biden zu Harris hat für die Demokraten das Feuer neu entfacht. Ein Präsidentschaftswahlkampf ist normalerweise ein Prozess von 18 bis 20 Monaten. Harris hat jetzt in 35 Tagen eine Kampagne aus dem Boden gestampft. Das ist so, als würde man ein Flugzeug in der Luft zusammenschrauben. Zwei Aspekte helfen dabei. Erstens: die Kampagnen laufen quasi komplett digital. Und zweitens: Kamala Harris hat innerhalb des ersten Monats 500 Millionen Dollar Spenden eingenommen. Das ist das Kerosin, dass gerade ins Feuer der Aufbruchstimmung gegossen wird.
Ok, die Harris-Kampagne war schnell, aber das kann ja nicht der Grund sein, warum sie so erfolgreich gestartet ist. […]

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe September 2024.
