Die deutsche Wirtschaft muss globale Abhängigkeiten verständlicher erklären, meint Rudolf Scharping, strategischer Unternehmensberater mit Schwerpunkt China.

So offen waren wirtschaftliche Interessen lange nicht mehr politisiert – überdies in einem nationalistischen Sinn. Manche nennen das, leider zutreffend, „Weaponization“ des Wirtschaftlichen. Das macht die Kommunikation von Unternehmen, die in China (oder manchmal auch in den USA oder, je nach Branche, in anderen Ländern) tätig sind, zu einer besonderen Herausforderung. Die Dinge einzuordnen und offensiv zu kommunizieren, ist unter diesen Umständen beides: herausfordernd und unverzichtbar.
Zunächst: Menschen und Unternehmen, Gesellschaften und Volkswirtschaften sehen sich globalen Herausforderungen gegenüber. Die Liste ist mit Stichwörtern wie Frieden, Biodiversität, Ressourcen oder Klima eindrucksvoll und unvollständig zugleich. Globalen Herausforderungen kann man nur mit globalen Antworten wirkungsvoll begegnen. Diese müssen sicher und verlässlich, also ausgehandelt und vertraglich gesichert sein. Andernfalls werden Unternehmen gezwungen, sich mit hohen Kosten gegen vielfältige Risiken abzusichern.
Ohnehin legt der Wunsch nach Verlässlichkeit von Handelswegen und Lieferketten es nahe, in verschiedenen Wirtschaftsräumen möglichst geschlossene Kreisläufe der Wertschöpfung anzustreben. Oft erzwingt er das sogar. Deshalb ist die Rede von einer Abwicklung der regelbasierten internationalen Ordnung immer auch eine wirtschaftsfeindliche Dummheit. Manche Nationalstaaten sind groß wie Kontinente, andere erreichen kaum die Größe einer Stadt in Indien oder China. Europäische Staaten haben globale Relevanz nur gemeinsam. Für deutsche Unternehmen ist der europäische Markt von überragender Bedeutung. Beispielsweise nimmt er zwei Drittel der deutschen Exporte auf.
Also liegt der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg und zur Absicherung einer gewissen Unabhängigkeit auch hier in Europa. Gleichzeitig ergibt sich daraus gestalterische Macht. Im Wirtschaftlichen kann man das gut ablesen an den Freihandelsabkommen, die die EU abgeschlossen hat oder auf den Weg bringt. Unternehmen werden das fordern, fördern und nutzen – sie sollten es auch offensiv kommunizieren.
Unternehmen, auch im Mittelstand oder unter den vielen deutschen Hidden Champions, sind „politisch“ – ob sie das wollen oder nicht. Sie müssen mit politisch gesetzten Rahmenbedingungen umgehen und fordern zu Recht deren Verbesserung. Das ist den Unternehmen und ihren Organisationen als Mechanismus der Interessenvertretung vertraut in Deutschland und in Europa.
Meine Prognose ist: Das reicht nicht aus. Unternehmen werden auch in ihrer Kommunikation noch mehr tun müssen, um wirtschaftliche Zusammenhänge und unternehmerisches Handeln im öffentlichen Raum – von der Bildung bis zu den Medien – und damit auch im politischen Raum verständlich zu machen. Dies wird in Zukunft noch mehr erforderlich, wenn es um unterschiedliche Länder und Kulturen geht. China ist da nur ein Beispiel, wenn auch ein besonders wichtiges.
Dieser Kommentar ist zuerst in der prmagazin-Printausgabe 03/2026 erschienen.
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