Die Stromsaga

Restrukturierung, Abgänge im Management, Verunsicherung in der Belegschaft: Inmitten von Turbulenzen übernahm Marc Langendorf 2021 die Kommunikation des Münchner Nutzfahrzeugherstellers MAN Truck & Bus . Heute kann er auch zukunftsgerichtete Storys erzählen – allen voran die von der Transformation in Richtung E-Mobilität.

(Foto: prmagazin/Matthias Leitzke)

Hellblau glänzt die stärkste elektrische Maschine am Messestand von MAN: ein mit sieben Batterien ausgerüsteter E-Truck, der mit einer Aufladung rund 650 Kilometer weit kommt. Bei der IAA Transportation Ende September in Hannover wurde er erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Standen vor zwei Jahren noch die Prototypen der E-Trucks in der Messehalle, so liegen inzwischen mehr als 2.500 Bestellungen vor. Mitte Oktober übergibt MAN den ersten großen E-Truck an einen Kunden.

Für Kommunikationschef Marc Langendorf beginnt damit eine neue Phase. Er kam im Dezember 2021 zu MAN Truck & Bus. Damals hatte das Unternehmen nur einen E-Bus im Angebot – inzwischen sind es zehn Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, darunter ein Wasserstoffverbrenner.

Wenn sich der 50-jährige für einen neuen Job entscheidet, sind ihm drei Dinge wichtig: erstens, dass die Themen interessant sind. Zuerst fragt er sich immer: „Ist das Unternehmen an einem Wendepunkt, der es ermöglicht, eine nach vorn gerichtete Geschichte zu erzählen, die zu einem erfolgreichen Ende führt?“ Zweitens muss er sich mit den Menschen, mit denen er arbeitet, gut verstehen – insbesondere mit seinem Chef. Und drittens muss die Stelle zu seiner Lebenssituation passen.

Als er vor bald drei Jahren von Telefónica zu MAN Truck & Bus ging, konnte er an den dritten Punkt einen Haken setzen: Der Job passte zur Lebenssituation. Das Unternehmen sitzt in München, wo er mit seiner Frau und drei Kindern lebt. Die anderen beiden Punkte hingegen blieben offen: Seinen Chef kannte er noch nicht, der neue CEO Alexander Vlaskamp war erst einen Monat zuvor von Scania gekommen.

Und eine „Geschichte, die zu einem erfolgreichen Ende führt“, schien bei MAN auch nicht offensichtlich. Mit dem Wechsel ins batterieelektrische Antriebszeitalter stand zwar eine große Transformation an – aber die Zahlen waren seit Jahren schlecht, der Lkw-Hersteller musste sparen. Der langjährige Betriebsratschef war im August des Jahres im Zuge eines Compliance-Verfahrens von seinen Ämtern zurückgetreten. Das Verhältnis zwischen Führung und Arbeitnehmervertretern war schlecht, die Belegschaft verunsichert.

Auch im Vorstand rumorte es, hier standen ebenfalls Personalwechsel an. Der vorherige Vorsitzende Andreas Tostmann hatte noch vor seinem Abgang Pläne für eine umfassende Restrukturierung des Unternehmens vorgelegt, samt Werksschließungen und Stellenabbau. Langendorf schreckte das nicht ab, als Tostmann ihn auf die freiwerdende Position des Head of Corporate Communications and Public Affairs ansprach. Die beiden kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Volkswagen. „Schönwetter-Kommunikation können viele“, sagt Langendorf beim Treffen mit dem prmagazin am IAA-Stand von MAN in der Messehalle 12. „Ich mag es, wenn das Unternehmen vor komplexen transformatorischen Herausforderungen steht.“

Mit schwierigen Themen war er schon in seinem ersten PR-Job konfrontiert. Langendorf hatte 2006 bei Siemens angefangen – kurz bevor die Schmiergeldaffäre ans Licht kam. Und ihm war klar, dass die Restrukturierung von MAN und die gleichzeitige Einführung alternativer Antriebe eine große Herausforderung sein würden. Pläne zur Verbesserung der Performance hatte es bei dem Nutzfahrzeugbauer schon öfter gegeben.

Langendorf ging die Business-Pläne vor seinem Start akribisch durch und fragte sich: Kann das funktionieren? […]


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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe Oktober 2024.