Der VDI hat den Wirtschaftsjournalisten Leon Kirschgens mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet – für eine brand-eins-Reportage, die der künftigen Lieferkette des grünen Wasserstoffs von der namibischen Wüste bis in die norddeutsche Provinz folgt. Wie sich komplexe Energiethemen verständlich erzählen lassen und was Kommunikation dazu beitragen kann.

Herr Kirschgens, wie kamen Sie auf die Idee, für eine Reportage die Lieferkette für grünen Wasserstoff zu recherchieren?
Leon Kirschgens: Ich habe 2023 für ein anderes Magazin einen kleinen Beitrag über Energiepolitik und Wasserstoff gemacht. Dabei hat mir ein Ansprechpartner aus Südafrika viel über Namibia erzählt. Da habe ich gedacht: Ui, da steckt aber noch viel mehr drin. Mir war klar, dass grüner Wasserstoff ein wichtiges Thema der Energiewende ist, was für eine globale Dimension das hat. In den vergangenen Jahren habe ich mich auch mit Entwicklungsfragen beschäftigt. Hier konnte ich beides verbinden: ein Energiethema, das hochrelevant ist für Deutschland und zugleich ganz viele Entwicklungsfragen betrifft.
Die künftigen Wasserstofflieferketten sind komplex. Wie erzählt man so ein Thema verständlich?
Die Idee, der künftigen Lieferkette einmal hinterherzureisen, war mein Versuch, sie zu veranschaulichen. Diese Kette existiert so ja noch gar nicht, aber überall wird daran gebaut. Ich wollte zeigen, wie es an diesen Orten aussieht, wer von der Transformation betroffen ist. Ich habe versucht, die Komplexität zu reduzieren und eine gute Struktur zu finden: Wo betrifft das Thema die Menschen? Das kann ich emotional erzählen, weil sich ihre Umwelt und Lebensbedingungen konkret verändern. Aber ich kann es auch finanziell erzählen: etwa über die Metallbranche, an der in Deutschland so viele Jobs hängen. Das Thema bietet unglaublich viele Zugänge.
Wer aus der Energiewirtschaft hat Sie unterstützt?
Bevor ich mich auf die Reise machen konnte, habe ich mich intensiv eingelesen und viele Hintergrundgespräche geführt. Wenn ich jemanden aus der Energiewirtschaft interviewe, will ich vorbereitet sein und dem Gegenüber vermitteln: Ich kenne mich aus, mit mir kann man auf Augenhöhe sprechen. Das ist wichtig. Für die brand-eins-Reportage habe ich viel mit dem Kraftwerksbauer Enertrag aus der Uckermark zusammengearbeitet. Die haben mir auch den Kontakt zu einem Unternehmen in Namibia vermittelt, das Windräder und Solaranlagen mit einer Leistung von sieben Gigawatt pro Jahr in der Wüste bauen will. Entsprechende Anlagen sollen dann aus dem erzeugten Strom und Meerwasser von der Küste grünen Wasserstoff unter anderem für die deutsche Industrie herstellen.
Ich vermute, ein Großteil der Recherche hat es nicht in die Geschichte geschafft?
Richtig. Das ist das klassische Eisberg-Phänomen: Am Ende sieht man nur den kleinen Teil über Wasser. Ich habe zum Beispiel versucht, zu zwei, drei größeren Metallunternehmen Kontakt aufzunehmen – dort soll grüner Wasserstoff später zum Einsatz kommen. Eins davon hat sich zwar zwei Stunden Zeit genommen, um mir die Hintergründe zu erläutern, wollte aber nicht im Beitrag auftauchen.
Ist das Ihre erste Empfehlung an Kommunikationsverantwortliche: sich Zeit für solche Erklärungen im Hintergrund zu nehmen, auch wenn sie nicht direkt davon profitieren?
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