„Es wird eine Art Naming & Shaming geben“

Seit Monaten berichten Medien über US-Unternehmen, die ihre Diversity-Programme reduzieren oder einstellen. Nun erhöht die Trump-Regierung den Druck. Auch deutsche Unternehmen, die auf dem USMarkt aktiv sind, stehen vor einem Kommunikationsproblem. Wie sie reagieren sollten, erklärt Christoph H. Seibt, Partner der Wirtschaftskanzlei Freshfields.

„Es gibt Hinweise, dass die Trump-II-Administration explizit ausländische Unternehmen ins Visier nimmt.“
Christoph H. Seibt

prmagazin: Herr Seibt, seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump geraten Diversitätsprogramme in den Vereinigten Staaten massiv unter Druck. Können Sie erklären, was dort gerade passiert?

Christoph H. Seibt: Die vorherige US-Administration hatte mit ihrer Gleichberechtigungspolitik zum Ziel, historisch benachteiligte Gruppen durch spezielle Programme zu fördern. Das läuft unter dem Schlagwort „Diversity, Equity and Inclusion“, kurz DEI. Die neue Trump-Administration beruft sich interessanterweise auf dieselben gesetzlichen Grundlagen, nämlich den Civil Rights Act von 1964. Sie argumentiert jedoch, dass die bisherigen Programme keine Gleichberechtigung schaffen, sondern im Gegenteil bestimmte Bevölkerungsgruppen – etwa weiße Männer oder Asian Americans – benachteiligen. Das verstoße gegen die Verfassung und den Civil Rights Act.

Welche Konsequenzen hat das?

Die Trump-Regierung hat die Bundesbehörden angewiesen, drei Maßnahmen zu ergreifen: Erstens sollen sie alle behördeneigenen DEI-Programme einstellen. Zweitens sollen sie nur Vertragspartner, sogenannte „federal contractors“, beauftragen, die keine Diversitätspolitik vertreten – das betrifft etwa auch Beratungsfirmen. Drittens sollen sie bis zum 21. Mai 2025 Unternehmen identifizieren, die eine besonders aggressive Diversity- und InclusionPolitik verfolgen. Welche Maßnahmen die US-Regierung nach diesem Stichtag im Hinblick auf solche Unternehmen ergreifen wird, ist noch nicht klar. Klar ist aber, dass es eine Art „Naming and Shaming“ geben wird. Denkbar sind auch Kongressanhörungen oder sogar strafrechtliche Verfahren. Deutsche Unternehmen sollten das genau beobachten.

Inwiefern ist das für deutsche Unternehmen relevant?

Es gibt Hinweise, dass die Trump-II-Administration explizit ausländische Unternehmen ins Visier nimmt. […]


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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der prmagazin-Printausgabe März 2025.

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