„Es geht um jeden Heizungskeller“

Warum geriet die Debatte um das „Heizungsgesetz“ derart außer Kontrolle? Jörg Radtke vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) teilt erste Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt ENVIKO – und erklärt, wie sich emotionale Eskalation in der Energiekommunikation künftig vermeiden lässt.

Jörg Radtke: „In den Kommunen kommt die Botschaft an: „Die Städte und die Landkreise sollen gefälligst den Umbau stemmen.“

prmagazin: Die Kommunikation des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck und seiner Behörde gilt als Paradebeispiel für misslungene Öffentlichkeitsarbeit im Kontext der Energiewende. Hat die Hysterie der Debatte Sie über­rascht?

Jörg Radtke: Ja, ehrlich gesagt schon. In Expertenkreisen war schon lange klar, dass neben dem Verkehrs- und Stromsektor auch der Wärmesektor dekarbonisiert werden muss. Die Idee, die mit dem Gesetzesentwurf transportiert wurde, lautete einfach: Wir brauchen Alternativen zur Öl- und Gasheizung – deshalb fördern wir Wärmepumpen. Da kam dann die Kritik, es fehle die Technologieoffenheit. Aber so viele Alternativen zu den Wärmepumpen gibt es nicht. Und wenn eine Regierung eine sehr naheliegende Technologie fördern will, wundert es schon, dass das einen derart heftigen Aufschrei auslöst.

Worauf beruhte die Panik?
Vor allem auf der Annahme, alle Heizungen müssten jetzt sofort rausgerissen werden – was ja gar nicht stimmt. Aber es entstand eine große Unsicherheit. Das erzeugt Angst. Und die wiederum provoziert meist irrationale Annahmen und eine Art Legendenbildung. Mit anderen Worten: Das AfDNarrativ des „Heiz-Hammers“ verfängt, weil es ein plastisches, starkes und dramatisches Bild ist.

Was lief kommunikativ konkret schief?
Der Fall zeigt exemplarisch erstens, dass ein sensibler Bereich berührt wurde: Es geht hier nicht um ein abstraktes Klimaschutzgesetz, sondern ganz konkret um jeden deutschen Heizungskeller. Zweitens erklärten Wirtschaftsminister Robert Habeck und Bauministerin Klara Geywitz viel zu spät den guten Grund, warum das Gesetz überhaupt novelliert werden sollte. Erst nach dem medialen Paukenschlag machten sie klar: Fossile Heizungen werden durch die CO2-Preisentwicklung künftig immer teurer.

Dieser „gute Grund“ hätte am Anfang der Kommunikation stehen müssen?
Absolut. Das hätte zunächst ein Bewusstsein für die Gesamtlage geschaffen – ohne sofort über die konkreten politischen Maßnahmen und ihre Folgen zu diskutieren. Erst das Problem, dann der Lösungsansatz. […]


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