„Vor einem Jahr nicht vorstellbar“

Henkel-Kommunikationschef Carsten Tilger: „In der Kommunikation hätten wir einige Dinge ohne den Druck der Krise nie so schnell eingeführt.“

Carsten Tilger steuert seit elf Jahren die Kommunikation von Henkel. 2020 war sein Aufgabenzettel noch praller gefüllt als sonst: Inmitten der Coronakrise musste er den neuen CEO Carsten Knobel einführen, die neue Unternehmensstrategie kommunizieren und gleichzeitig die digitale Transformation samt Kulturwandel vorantreiben.

prmagazin: Herr Tilger, seit März 2010 führen Sie die Kommunikationsabteilung von Henkel. Schon damals stand der Kulturwandel ganz oben auf Ihrer Agenda. Der neue Vorstandsvorsitzende Carsten Knobel hat sich das Thema vor einem Jahr erneut auf die Fahnen geschrieben. Ist in den vergangenen zehn Jahren in Sachen Kulturwandel überhaupt etwas passiert?

Carsten Tilger: Als ich damals zu Henkel kam, war Kasper Rorsted gerade Vorstandsvorsitzender von Henkel geworden. Es war kurz nach der Finanzkrise. Der Konzern hatte seine bisher größte Restrukturierung durchlaufen und auch viele Stellen abgebaut. Die Mitarbeiter waren verunsichert. Wir hatten einen neuen Wertekanon entwickelt, wollten eine Aufwärtsstimmung im Unternehmen erzeugen. Unsere Aufgabe in der Kommunikation war es, diesen kulturellen Wandel zu vermitteln und zu unterstützen.

Also geht es diesmal um eine andere Art von Kulturwandel?

Wir sehen die Stärkung unserer Kultur als zentrales Element unserer Wachstumsagenda, um Prioritäten wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Innovationen erfolgreich umzusetzen. Die 2010er Jahre waren schon von Veränderung geprägt. Aber die Geschwindigkeit und Volatilität haben zugenommen. Wir brauchen deshalb mehr Eigenverantwortung, mehr Flexibilität, mehr Zusammenarbeit und auch einen anderen Führungsstil. Gerade die Coronakrise wirkte wie ein Katalysator, der Veränderungsprozesse und die Digitalisierung in ungeahnter Weise beschleunigt hat. Wir hätten einige Dinge, die wir in der Kommunikation gemacht haben, ohne den Druck der Krise nie so schnell eingeführt.

Was meinen Sie konkret?

Vor Corona war die Präsenzkultur noch stärker ausgeprägt. Die digitale Zusammenarbeit war damals einfach noch nicht so geübt. Das ist mittlerweile ganz anders. Digitale Treffen und Arbeitsprozesse laufen reibungslos und sind ganz natürlich geworden – auch für komplexe Themen wie den Geschäftsbericht oder die Vorbereitung der Bilanzpressekonferenz und der Hauptversammlung. Das hätte ich mir vor einem Jahr so nicht vorstellen können.

Carsten Tilger schätzt die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation, betont aber: „Der persönliche Kontakt ist nie ganz zu ersetzen.“

Es gibt neue Führungsgrundsätze bei Henkel, der Gestaltungsspielraum der Mitarbeiter soll größer werden. Wie vermitteln Sie so etwas intern, wenn fast 90 Prozent der Mitarbeiter aus der Verwaltung im Headquarter derzeit von zu Hause arbeiten?

Über viele virtuelle interne Formate und Events. Wir machen zum Beispiel regelmäßig sogenannte Team-up-Meetings. Da schaltet sich unser CEO direkt in Arbeitsgruppen ein, hört einfach zu, zeigt Nähe und Offenheit und steht für Fragen zur Verfügung. Ein wichtiges Instrument sind zudem regelmäßige Videobotschaften von Carsten Knobel und seinen Vorstandskollegen. Anfangs, im Frühjahr letzten Jahres, ging es vor allem um das Krisenmanagement. Inzwischen fokussieren wir uns stärker auf strategische Themen. Zum Beispiel auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Oder was das Thema Kulturwandel konkret für uns bedeutet. Viele Formate, wie zum Beispiel Townhalls, können wir digital abbilden. Der persönliche Kontakt ist aber nie ganz zu ersetzen.

Wie sind Henkel und Ihre Abteilung ansonsten durch die Krise gekommen?

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Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der März-Ausgabe des prmagazins auf 7 Seiten, welche strategischen Themen Carsten Tilger und sein Team trotz der Pandemie angegangen sind, wieso sie einige Vorhaben ohne den Druck der Krise nie so schnell umgesetzt hätten und wie man drei Vorstandschefs „überlebt“.